Schöpfungshöhe: Niedrig

Gastbeitrag von dem wunderbaren @komponiker
(Ursprünglich veröffentlicht auf der Facebook-Seite)

 

Natürlich gibt es größere Probleme. Dennoch brodelt es schon zu lange in mir, als dass ich es noch länger bei mir behalten könnte:

Hier auf Facebook gibt es eine Seite mit mehr als 2 Mio. „Anhängern“, die fast täglich lustige oder nachdenkliche Sprüche in Bildchenform postet und damit eine ganze Menge Likes erntet. Natürlich ist das so, denn die Sprüche sind meistens auch gut. Ich sehe diese ja täglich in meiner Chronik, weil sie irgendeinem oder -einer von euch gefällt. So weit, so gut.

Was mich allerdings sehr stört ist die Tatsache, dass sich die Betreiber der Seite diese Sprüche nicht selbst ausgedacht haben, sondern zum Großteil vom Netzwerk Twitter kopiert und eine „ansprechende“ visuelle, quadratische Form gepresst. Diese Tatsache an sich wäre noch nicht verwerflich – würde zumindest ein Hinweis auf den Verfasser zu sehen sein. Ist es aber nicht. Stattdessen erheben die Betreiber – wie auf der Infoseite vermerkt – sogar ein eigenes Copyright auf die geposteten Bilder.

Dieses zu kritisieren hatte bisher auf dieser Facebook-Seite wenig Zweck: die Anfragen, weshalb keine Quellenangabe vermerkt sei, wurden kommentarlos von den Betreibern gelöscht. Selbst Twitter-User, die auf dem Schriftwege mit den Betreibern Kontakt aufnahmen, wurden z. T. als „arrogant“ bezeichnet und dass man sich „nicht so anstellen“ solle. Rein rechtlich scheint dieser Punkt wohl tatsächlich nicht unstrittig zu sein, da die Länge der erdachten Sprüche die sogenannte „Schöpfungshöhe“ nicht erreichen würden.

Ein Ärgernis, mit dem sich viele Twitterer Tag für Tag herumschlagen müssen.

Nun haben sich die Betreiber jedoch überlegt, die – so muss ich es nach meinem derzeitigen Kenntnisstand formulieren – kopierten und damit „gestohlenen“ Sprüche in Buchform zu pressen (Autor: „Anonymous“ – aha) und diese bei amazon feilzubieten. Natürlich nicht zur eigenen Bereicherung, nein: die „Honorarerlöse“ würden an die gemeinnützige Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ gespendet. Alles prima, also? Nicht so richtig: schade für die Organisation, denn Honorare werden ja gar nicht gezahlt. Gerade mit diesem Deckmantel einer Charity-Aktion versucht man sich, gegen berechtigte Kritik zu schützen.

„Ärzte ohne Grenzen“ ist bereits an die Betreiber herangetreten und haben um eine Stellungnahme gebeten, bisher jedoch keine Antwort erhalten. Die Rezensionen auf der Amazon-Seite (die man nicht einfach löschen kann) sprechen für sich.

Ich selbst bin bei Twitter und bisher nicht betroffen. Ich möchte es aber auch nicht sein. Genauso wenig möchte ich, dass sich jemand meine Songs zu eigen macht oder meine Stücke aufführt. Schöpfungshöhe hin oder her. Es geht nicht darum, was juristisch korrekt ist, sondern was moralisch vertretbar ist.

Ich weiß, dass viele von Euch die betreffende Seite mögen. Aber jedesmal, wenn mir etwas von MadeMyDayCC in die Chronik gepostet wird, möchte ich mich am liebsten löschen.

Danke für Eure Aufmerksamkeit.

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