#madebyUS

Es gibt einige Fakten, die ich im Laufe meines Lebens über Toleranz gelernt habe. Unter anderem, dass der Mensch grundsätzlich durchaus tolerant und neugierig ist. Bis zu dem Moment, indem er mit dem einen, bestimmten Thema konfrontiert wird, welches ihn an Gabelung des Toleranz-Weges bringt. Der Fußball-Trainer meines Bruders war stets sehr „tolerant“ im Hinblick auf Homosexuelle in der Bundesliga, bis sich einer seiner Spieler outete. Das Ergebnis war, dass dieser junge Mann solange auf dem Feld noch mit „Scheinaufgaben“ beschäftigt wurde, bis alle anderen geduscht haben.

Mit 13 Jahren kam ich auf eine deutsche Realschule. Nachdem sich meine Mitschüler davon überzeugt haben, dass auch ich zu der Spezies „Mensch“ gehöre und aufrecht laufen kann, akzeptierten und tolerierten sie mich. Das dauerte exakt so lange, bis ich in Deutsch meine erste „1“ schrieb und mein Lehrer der Klasse einen Vortrag über faule Deutsche und fleißige Ausländer hielt. Ihr könnt mir glauben, dass ich anfangs sehr unglücklich darüber war, nicht, weil ich etwa mit einem Mal, zum „Ausländer, der seinen Mitschülern später einen Job wegnehmen wird“, geworden bin, so weit gingen die Gedanken nicht. Einfacher: Ich habe mich aus der Toleranz-Zone meiner Mitschüler rausgewagt und wurde zum „Störfaktor“.

An der Stelle lasse ich eine Diskussion zu dem Thema allerdings aus. Zurück zum Thema: Toleranz. Der größte Feind der Toleranz, ist das Halbwissen. Und seien wir mal ehrlich, wer will denn schon toleriert werden? Im Duden steht „Akzeptanz“ als Synonym für „Toleranz“, aber auch „Duldung“ – und dennoch wissen wir, dass es einen fühlbaren und spürbaren Unterschied darin gibt, ob man nur geduldet, eher toleriert oder gar akzeptiert wird.

Seit ich lesen kann, lese ich viel und gerne. Alles. Etiketten, Straßenschilder, Warnschilder, Zutaten-Listen. Später Märchen, Abenteuer (Karl May, Mark Twain), Gedichte, Prosa, Lyrik – ich lese gerne, ohne, dass ich sehr belesen bin. Mein Gedächtnis ist – zu meinem eigenen Bedauern – eine einzige Katastrophe, geschuldet der eigenen Anforderungen an mich selbst, alles in mich zu fressen, was meine Augen abscannen. Dafür ist mein Kurzzeitgedächtnis phänomenal, weshalb ich stets max. 2 Tage vor Klausuren mit dem Lernen begann oder mühelos ein 10 Strophen-Gedicht zum Muttertag zu rezitieren vermochte, welches aus dem Gedächtnis gelöscht wurde, nachdem es seine Wirkung erzielte.

Seit genau 1 Jahre bin ich nun ein Twitterer, genau seit dem 18.12.2013 – und habe bereits zu dem Thema „Geistiges Eigentum“ gebloggt. Doch es soll nicht weiter um mich gehen, sondern um das Gefühl und das Thema „Toleranz“, aber auch Zusammenhalt in diesem „Neuland“: Es gibt das diese Seite bei Facebook, die Geld damit verdient, indem sie sich Tweets nimmt, ohne den Autor um Erlaubnis zu fragen und postet sie in ihrem Namen. Nun sind die Betreiber einen Schritt weiter gegangen und haben ein Buch mit Tweets rausgebracht. Auch hier, ohne um Erlaubnis zu fragen. Nun kommt mein Gedächtnis ins Spiel: Immer wieder sehe ich „Sprüche“ bei Facebook, die ich zuvor bei Twitter gelesen, besternt und ggf. sogar mit einem Pokal versehen habe, weil sie großartig, witzig, charmant, kurios, berührend oder aus anderen Gründen besonders sind. Und ich sehe, dass dem Autor dafür nicht Anerkennung gezollt wird. Und das macht mich wütend. Als ich das erste Mal einen Tweet von mir auf der sixx-Seite sah (sixx, der TV Sender hat auch im großen Stil Tweets genutzt, ohne einen Verweis auf den Schöpfer jener), war ich sauer! Drauf geschissen auf den Spruch, Plagiat sei nichts anderes, als Anerkennung – das kann auch nur einer geschrieben haben, der selbst nichts auf die Kette bekommen hat.

Wir sind alle keine Goethes, Rilkes, Frieds, Twains, Bukowskis  – aber auch die haben damit angefangen, die – in ihrer jeweiligen Zeit üblichen – Mittel zu nutzen, um ihre geistigen Ergüsse an den Mann oder die Frau zu bringen, indem sie hier und da publizierten. Wir tun es auch, in dem Fall bei Twitter und mit dem Schwierigkeitsgrad, der aus lediglich 140 Zeichen besteht.

Warum darf einen Chanel in Grund und Boden klagen, wenn man das Bild von deren Seite nimmt, um den muffigen Duft, den man von Tantchen zu Weihnachten bekommen hat, bei ebay zum Verkauf einzustellen? Exakt: Weil es das Urheberrecht für Bilder gibt. Dieses gibt es auch für Texte, allerdings ist der Gesetzessprecher hier nicht so eindeutig, denn es sind doch nur  „140 Zeichen“ und die „Schöpfungshöhe“ ist zu „niedrig“.

Mehr als 3.000 Menschen haben in meinem ersten Jahr den Entschluss gefasst, mir bei Twitter zu folgen – aus den unterschiedlichsten Gründen. Ich glaube ja gerne, dass es überwiegend etwas damit zu tun hat, dass ich etwas zu sagen habe – meistens. Und dieses „Sprachrohr“ möchte ich jetzt nutzen, nicht nur für meine kleinen Tweets, sondern für eine Sache, die uns alle angeht:

Unabhängig davon, ob eure Texte in dem Buch auftauchen oder nicht, das Thema sollte jeden angehen, der seine Gedanken bei Twitter publiziert und glaubt mir, es fühlt sich nicht gut an, wenn man seiner Gedanken beklaut wird, noch fieser fühlt es sich jedoch an, wenn diese als das Eigentum anderer ausgegeben werden.

Die meisten meiner Tweets haben in der Tat einen Hintergrund, ihnen liegt ein Gefühl für eine Person/ein Erlebnis zu Grunde, sie sind sehr persönlich, zart und bedeutungsvoll – für mich. Zu lesen, dass sie jemand anders „erfunden haben soll“ – sticht.

#madebytwitter geht uns alle an, die wir twittern. Es wird Zeit, auch dieses geistige Eigentum zu schützen und es nicht auf sich beruhen lassen. Kopieren ist KEINE Anerkennung.

Und falls ihr euch fragt … ich habe keine Ahnung, ob ein Tweet von mir in dem Buch drin ist. Ich werde es jedoch auch nicht kaufen, um das herauszufinden, sondern bitte euch, die, die hier mit viel Ausdauer gegen die Leute vorgehen, die Bücher mit Tweets herausbringen, ohne die Autoren zu fragen zu unterstützen, statt sie anzugreifen.

Man muss wahrlich nicht zu jedem Thema eine Meinung haben. Aber wenn man sich an einer Diskussion beteiligt und seinen Senf abgibt, schadet eine vorangehende Recherche nicht.

Wie sagte Dieter Nuhr mal so schön: „Wer glaubt, der weiß nichts.“

Er sagte auch: „Wen man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten.“

In dem Sinne: Danke für ein spannendes Twitter-Jahr und danke allen, die sich dafür engagieren, dass wir mehr Beachtung und Respekt erfahren. Die Schöpfungshöhe ist nämlich enorm. ❤

 

https://twitter.com/DrWaumiau/status/545203009685573632

 

https://twitter.com/DrWaumiau/status/544937175255887872

 

6 Gedanken zu “#madebyUS

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