Care Paket

Ich war 8 Jahre alt und durch und durch Omas Kind. Mal abgesehen davon, dass ich die ersten 5 Jahre meines Lebens, bis zur Einschulung, auf ihrem Hof und in ihrem Daunen-Bett verbracht habe, sah sie sich nach wie vor in der Verantwortung, für mein leibliches und jegliches andere Wohl zu sorgen.

Ich war ein quirliges Kind, welches eine extrem blühende Phantasie und bereits damals, eine wachsende Vorliebe für Karl May und Winnetou hatte. Bei einem morgendlichen Ritt auf einem der Schafe – der geneigte Leser wird erkennen, dass ein Schaf nicht gerade zur handelsüblichen Gattung der Reittiere gehört – wurde ich ich gehörig über dessen Hörner gefeuert, was nicht zum ersten Mal passierte und mir heroische Wunden und Verletzungen zuführte, die ich stolz umherzeigen konnte.

Diesmal gesellte sich jedoch eine Zyste in der Kniekehle dazu. Ein Winnetou beugt niemals sein Knie, also höchstens beim Auf- und Abstieg eines Reit-Utensils, nichts desto trotz, lief ich fortan ein  wenig steif. Nach einer Woche hatte ich ein Emu-Ei in der Kniekehle und so beschloss man, mit mir zum Arzt zu gehen, der nach einem Pfund  Feinkost Albrecht Kaffee und 3 Tafeln Haselnuss-Schokolade beschloss, das Ei müsse operativ entfernt werden.

Gesagt, getan.

Ich kam ins Krankenhaus, wurde operiert, das Bein wurde eingegipst und ich sollte noch eine Woche im Krankenhaus bleiben. Telefon gab es nicht. Weder bei Oma, auf dem 30 km entfernten Dorf, noch im Krankenhaus. Also musste Oma reisen. Dazu muss man sagen, dass es sich bei den 30 km in die Stadt und zurück, locker um einen Tagesausflug handelte.

Und so erschien meine geliebte Oma eines Tages im Krankenhaus, bepackt wie ein Lasten-Muli. Aus Sorge, ich würde in dem Krankenhaus verhungern, hatte sie eine komplette Truppenverpflegung für eine gesamte Kompanie angeschleppt.

Gebratene Koteletts und Frikadellen, selbst gebackenes Brot und ein Ton-Töpfchen mit Griebenschmalz, eingelegte Salz-Dill-Gurken und Sauerkraut, gekochte Eier, diverse Weckgläser mit Heidel- und Erdbeeren, eine Flasche Rosenblüten-Sirup, Unmengen von Mohnkuchen und Hefegebäck. In einer emaillierten Kanne hatte sie sogar Nudelsuppe, die sie jedoch in Ermangelung einer Erwärmungsmöglichkeit hätte mitnehmen müssen, wenn sie nicht in einer gänzlich verblüfften Krankenschwester einen Abnehmer fand.

Was soll ich sagen: Ich war das beliebteste Kind auf der gesamten Kinderstation und wir haben 4 Tage davon gegessen.

Bevor Oma wieder ging, um ihre lange Heimreise anzutreten, fragte sie, ob sie morgen nochmal mit Nachschub kommen sollte und gestand mir, spitzbübisch lächelnd, dass sie dem netten Busfahrer schon eine selbst gemacht Wurst geschenkt hat, weil er auf sie gewartet hat, da sie mit den schweren Taschen nicht so schnell laufen konnte.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s