Freundschaften

Seit der ersten Blutsbrüderschaft in der Kindheit, kann ich mich nicht entsinnen, „DIE EINE“ beste Freundin oder den einen besten Freund gehabt zu haben, auch habe ich nie den Wunsch verspürt, mich einem einzigen Geheimnisträger anzuvertrauen oder mich gänzlich zu offenbaren. Bisweilen ergeht es mir auch im hohen, metusalemischen Alter, dass ich mir selbst ein wenig zu viel werde und mit dem Sortieren meiner Gedanken und Fragen an diese Welt, nicht nachkomme.

Freundschaften verändern sich, weil sich die jeweiligen Menschen, die ihnen angehören, verändern – glücklicherweise. Einige der Wege, die beschritten werden, geht man gemeinsam, man packt unterschiedliche Wünsche in den Rucksack, zieht unterschiedlich große Schuhe an und füllt die Trinkbecher mit Erwartungen. Auf dem gemeinsamen Weg stellt sich heraus, dass man gerne an einigen Stellen länger verweilen würde oder sich für die ein oder andere Station so gar nicht begeistern kann. Man liest unterschiedliche Reiseführer und hält ggf. öfter an, um nach dem Weg zu fragen, während die anderen unbeirrt weiterlaufen. Dann findet der eine den Platz, an dem er bleiben möchte, während der andere nach wie vor eine Reiselust in sich spürt. Der eine schimpft über eine Kultur, während ich der andere geradezu in die verliebt. Man wird ausgeschlossen, weil einige gesellschaftliche Aspekte nicht mehr passen.

Man trifft andere Reisende.

Als ich für 10 Wochen nach Kanada aufbrach, war mir sehr bewusst, dass einer der Aspekte und Treiber für diese Entscheidung, meine Freundschaften zu den unterschiedlichsten Menschen sind und deren Verläufe in den letzten Jahren, die Veränderungen der – ehemals gemeinsamen – Reiserouten und die Erwartungen: An die Freundschaft selbst und meine Person. Erwartungen, die nie ausgesprochen wurden, sondern sich ergaben, dadurch, dass Freunde Eltern wurden und sich ihre Prioritäten verständlicherweise veränderten. Dadurch, dass sie selbst eine Veränderung in ihrem Leben gemeistert haben, von der ich ausgeschlossen war. Dadurch, dass ich nicht mehr gewillt war, den Weg nachzulaufen, den meine Freunde vorgegangen sind, weil ich gerne abbiegen wollte, verweilen wollte oder schlichtweg müde wurde, immer wieder die gleichen Bilder zu sehen.

Menschen, die mit einem „Ich hoffe, Dir geht es gut“ – bewusst ohne ? ihre „Pflicht“ erledigen, aber die Erwartungshaltung an den Tag legen, man müsse hellseherisch ihre Gedanken lesen, sie bemitleiden und betüddeln. In Maßen, aber ernsthaft: Wir sind Freunde, das unterscheidet uns von einem Wildfremden Menschen, nämlich dass wir einander sagen können sollten, was Sache ist.

Ich halte nach wie vor Kontakt zu meinen Freunden in Deutschland, indem ich blogge, meine Erlebnisse bei FB oder bei Twitter zeige und die unterschiedlichen Reaktionen der unterschiedlichen Menschen aufnehme.

Die Kommunikation verläuft ein wenig einseitig und das ist auch gewollt, da ich mich – zum einen – nicht in lange Dialoge verstricken kann, da ich arbeite, entdecke und meistens ohne Netz bin und zum anderen ggf. später, wenn ich zuhause bin, auch noch etwas zu erzählen haben möchte.

Es ist jedoch, wie ich es erwartet und auch erhofft habe: Durch die minimale Kommunikation, ist das Bewusstsein fürs Vermissen geschärfter.

Die Menschen, an die als erstes denke, wenn ich etwas ganz Besonderes erlebe, die sind es. Nicht die, die mir auch noch in der Ferne das ewig gleiche Leid klagen, ohne, dass sie gewillt sind, etwas zu ändern und/oder in er Lage, Rücksicht auf mich, meine Auszeit, mein Leben und unsere Freundschaft zu nehmen.  Oder das, was sie als solche erachten.

Ich habe sehr wenigen Menschen bisher den Rücken gekehrt, da ich irgendwann zu dem Punkt gelangte, an dem die Balance nicht mehr herstellbar war. Sicher, es geht nicht um das verrechnen von Gefallen und vom Schweigen, doch wenn das Gleichgewicht aus dem Ruder läuft, muss man handeln. Die Wertigkeit analysieren. Das klingt sehr kalt und wissenschaftlich, dabei ist es wesentlich einfacher: Im Grunde des Herzens wissen wir bereits, ob wir kämpfen werden und wollen, oder ob sich der ursprünglich gemeinsame Weg, zu sehr voneinander abgezweigt hat.

Ich bin seit 4 Wochen in Kanada, die Zeit rast. Ich bin nicht länger gewillt, sie mit Menschen zu teilen, die nicht in der Lage sind, eine ausgewogene und gleichberechtigte Freundschaft zu führen.
Man sollte sich viel häufiger die/der Frage stellen, was man vermisst, wenn ein bestimmter Mensch nicht greifbar ist

5 Gedanken zu “Freundschaften

  1. …so true….
    Teile deine Meinung voll und ganz!
    Bei vielen Leuten im Freundeskreis herrscht ja immer noch dieses: „meldest Du Dich nicht, melde ich mich auch nicht “ Prinzip….
    Selbst bei der eigenen Familie, kann man das beobachten…
    Weichst Du vom Weg ab, kommen da einige nicht drauf klar…
    Solange Du funktionierst, ist alles schön, sobald Du abtrünnig wirst, bist Du ‚komisch‘ geworden, oder : Du hast dich ja so verändert … Bla bla bla….

    Zieh‘ Dein Trip durch, mach‘ Dein Ding, und erfreu Dich an denjenigen die Dich so mögen wie Du bist 👍
    Bis die Tage …. 🇨🇦🇨🇦🇨🇦

  2. Danke fürs teilhaben dürfen..
    Deine Worte berühren und ich kann gar nicht genug von ihnen bekommen..
    Ein bisschen Fernweh,ein bisschen miterleben dürfen. …Danke! Hab eine wundervolle Zeit❤

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