On the road

Nach fast 6 wunderbaren Wochen auf einer relativ kleinen Insel, bereise ich nun seit knapp 1,5 Wochen ein Land, dessen Größe sich einem kaum erschliessen mag.  Ein Land, in dem das Wetter jederzeit umschlagen kann, während eines einzigen Tages, so dass man am besten im Zwiebel-Look reist und wenn das Wetter nicht genehm ist, einfach ein paar Stunden wartet. Weckt einen morgens der Regen und sinkt die Temperatur nachts unter 5 Grad, kann der Tag immer noch problemlos über 20 Grad warm werden.

In Vancouver, wo ich mir die Stadt aus der Luft ansehen konnte, indem ich einen Rundflug mit über den Hafen und die Stadt, bis Horseshoe Bay, dem Fähren-Terminal nach Vancouver Islands, buchte, startet die 3-wöchtige Rundreise. Bei traumhaften Wetter, war das ein besonders tolles Erlebnis. Das Hotel ist direkt am Canada Center mit einem wunderschönen Blick aufs Wasser und die Kräne des Hafens, in dem auch große Cruiser und Container-Schiffe anlegen. In der Tiefgarage die Autovermietung. Bevor die Reise startet, treffe ich nochmal Mo, meine 2. AirBNB-Gastgeberin und nun eine liebenswerte Freundin. Sie kommt auf ihrer FXR angedüst, eine Blondine mit tiefem Ausschnitt und high heels. Es wird ein schöner Abend im „The Flying Pig“ in Gastown, sie gibt viele Tipps, sie will mich mit Zelt, Schlafsack und ihrem alten Jimmy-Truck ausstatten, ich kann sie davon überzeugen, dass ich beim nächsten Mal gerne auf ihr Angebot zurückkommen werde. Nochmal die Suspension-Bridge im Lynn Valley Park besucht und darüber gestaunt, wie sehr sich die Natur in den 6 Wochen, seit dem letzten Besuch, verändert hat. Leider war der Park sehr überfüllt, weshalb die Reise fortgesetzt wurde. Zumal an dem Tag das lange WE zu ende ging und der Verkehr zunahm, glücklicherweise eher in die Stadt rein.

IMG_6834

IMG_6833

IMG_6832

Die erste Etappe ist relativ kurz und führt nach Merritt, ein relativ wenig ansehnliches Nest in einem Tal, die meisten Gäste sind auf der Durchreise, doch auf dieser Reise gilt: Der Weg ist das Ziel und der Weg nach Merritt ist wunderschön. Das Wetter ist traumhaft, der SUV gleitet über die Straßen, ich kann mich kaum satt sehen an den Farben, den Seen, den Bäumen, Tälern, Bergen. Jedes Mal, wenn ich in den Rückspiegel sehe, ertappe ich mich dabei, dass ich grinse und die Fältchen um die Augen, die Grübchen in den Wangen werden tiefer. Und irgendwie auch hübscher.

Nach unzähligen Stopps, um die Welt zu bewundern, unter anderem an einem, kleinen See Kokanee Lachsen beim laichen zuzuschauen, während dieser knallrote Fisch, aus dem Wasser hüpft, ist es bereits dunkel bei der Ankunft im Quality Inn Merrit, schnell noch googlen, wo man essen kann. Die Unterkünfte, vor allem die „Inns“ erinnern mich immer an amerikanische Filme, die in solchen Etablissements gedreht werden und bei denen ich stets das Bedürfnis habe, den Helligkeits-Regler am Fernseher auf MAX zu drehen. Auch, wenn man alle Lampen einschaltet, ist es immer noch ein toller Ort für den ersten Sex, wenn man ein wenig scheu und schüchtern ist: Es bleibt dunkel.

IMG_6907

Am nächsten Tag geht es nach Revelstoke. Auf dem Weg dahin gibt es 2 Alternativen, eine führt an einem See entlang, ist auf der Karte lediglich ein weißer Strich. Um den Wagen mache ich mir keine Sorgen, der kann alles, also fällt die Entscheidung schnell. Die ersten 10 Kilometer sind noch asphaltiert und man kann ein wenig von dem See sehen. Die restlichen, fast 60 km, bewegt sich das Fahrzeug im Schnitt 20-30 km/h schnell, vom See ist durch die Bäume nichts zu sehen, es fängt an zu regnen, der Weg wird immer matschiger, auf den kleinen Brücken muß man mit den Reifen des Wagens exakt die beiden Balken treffen. Ich gehe einfach davon aus, dass diese Brücken mehr als 2,5 Tonnen Auto halten. Die Strecke zieht sich immens und zerrt an den Nerven. Da dieser Weg fast 2h kostet, ist es bereits dunkel bei der Ankunft in Revelstoke.

IMG_6904

IMG_6911

IMG_6912

Ein sehr niedlicher Ort in den Bergen, Ski-Gebiet mit einem großartigen Hotel (The Sutton Place Hotel), das erste Hotel, in dem ich so gut schlief, dass ich sogar den Bewertungsbogen ausfüllte, einem hot tub direkt ggü. vom Hotelzimmer, mit den tollsten Kissen und weichstem Douvet, die ich je um meinen Körper spüren durfte. Wie eingangs erwähnt, ist das Ziel der Reise, die Reise selbst, so auch hier tanke ich Benzin (70-85 Cent der Liter) und meinen lactosefreien Latte und dann geht es weiter.

Nach 6 Wochen reiner Bio-Qualität-Ernährung auf der Farm, versuche  ich in den ersten Tagen, bei gesunder Kost zu bleiben, frage nach „local“ Gemüse, halte am Straßenrand, wo Obst aus der Region verkauft wird. Leider ist das nicht immer einfach, wenn man spät in einem Motel eincheckt und dann nur noch der Burger-Laden aufhat. Dazu muss ich sagen, dass die meisten Burger (meidet man die bekannten Ketten), außerordentlich lecker sind und oftmals mehr Gemüse in Form von Salat, Tomaten und Gurken drauf haben, als 4 Whopper zusammen. Mein Körper dankt mir jedoch mit den üblichen Symptomen, wenn ich Zusatzstoffe zu mir nehme.

Auf dem Weg von Revelstoke nach Golden, wird es Zeit für ein Nationalpakr-Ticket fürs Auto. Auf dem Weg sehe ich alte Zedern – 300-550 Jahre alt – Vogelschutzgebiete, Wasserfälle. Die Kanadier und deren Besucher sind kein faules Volk. Das sieht man daran, dass die Wasserfälle nicht direkt neben dem Parkplatz sind, wie die Niagara Fälle, sondern man durchaus schon mal 2-6 km gehen muss. Manchmal steht das angeschlagen, wie weit die Strecke ist. Meistens nicht. Meine Pumpe kommt bei all diesen Stopps ganz schön außer Puste, erfreulicherweise habe ich keinen Muskelkater, weder in den Beinen, noch im Po – die Zeit auf der Farm hat doch was gebracht 🙂

IMG_6961

IMG_6960

Golden. Es wird, die bisher lauteste und schlimmste Nacht, das Prestige Inn Golden – welch ein Name! – ist DIREKT am Hightway 1 – die ganze Nacht knattern dicke Trucks, mit Holz beladen, am Fenster entlang, nach dem Schließen des Fensters, wache ich schweißgebadet auf. In Golden gibt es ein Wolfsgehege, dort leben 9 Wölfe, die allesamt in Zoos geboren sind und somit nicht ausgewildert werden können. Die älteste Wölfin (Maya) ist 16 Jahre alt. Ein Wolf wird in freier Wildbahn 3-6 Jahre alt. Maya ist der älteste, in Gefangenschaft lebende Wolf. In Kanada gibt es derzeit ca. 40.000 Wölfe, was eine gesunde Population ist. Der Wolf hat, außer dem Menschen, keinen Fress-Fein. Wölfe sind Allesfresser, allerdings sind sie sehr faul, deshalb jagen sie sehr effektiv, indem sie sich auf alte und kranke Tiere konzentrierten und somit dafür sorgen, dass auch andere Populationen gesund bleiben. Die Wölfe werden zu Lehrzwecken gehalten, der Park erhält sich durch Spenden. Roadkill  wird auch gerne genommen (es werden nur tote Tiere gefüttert), dies muss der Park allerdings auch bezahlen. Für einen überfahrenen Elch, zahlen sie 250 Dollar, der reicht für 5 Tage, Wölfe essen nicht täglich, sondern hauen sich die Wampe voll, wenn das Essen da ist.

IMG_6978

IMG_6990

IMG_6991

Der Weg von Golden nach Field führt durch die British Columbia Mountains. Eine wundervolle Strecke mit dem Ziel: Emerald Lake und der Emerald Lake Lodge. Das erste Mal sehe ich eine Kulisse, wie ich sie nur aus Katalogen kenne: Die goldenen Bäume am Ufer eines stillen, türkisen Sees. Ich kann mich nicht satt sehen. Laufe ein Stück um den See, der aus jedem Blickwinkel seine Farbe ein wenig ändert. Miete ein Kanu und dann wird es still. Sehr still auf dem Wasser. Es ist fast mystisch. In dem See selbst ist kaum Leben, keine Fische. Das Wasser der Gletscher führt „rock flour“ mit runter und ist so undurchsichtig, dass keine Sonne durchscheinen und Leben ermöglichen kann. Das Zimmer hat einen Blick auf den See und einen Kamin, den man nur noch anzünden muss. Als ich morgens aufwache, sehe ich den See vom Bett aus, ziehe mir die Decke unters Kinn und geniesse.

IMG_7016 IMG_7022 IMG_7047 IMG_7051 IMG_7052 IMG_7065 IMG_7075

Auf der Weiterfahrt ein Halt an einer natürlichen Brücke. Das Wasser führt derzeit unter der Brücke, bedingt durch den ungewohnt heissen Sommer in Alberta, während der Schneeschmelze, wird man von der Brücke nichts mehr sehen können. Dann noch ein Halt an den Takakkaw Wasserfällen mit einem göttlichen Blick bei schönsten Sonnenschein. Lake Louise muss man auch gesehen haben, ein wunderschöner See, leider zu der Zeit unfassbar überlaufen und nach meiner Meinung, ein wenig übertrieben angepriesen, denn ich sah andere türkise Seen, die viel schöner sind.

Banff ist die nächste Station und erstmalig mit 2 Übernachtungen. Das Wetter ist nach wie vor grandios. Ich trage Flip Flops, wie ich das schon seit fast 8 Wochen mache und staune darüber, wo man überall Hornhaut an den Mauken entwickeln kann und wie muskulös die Füße werden, wie stark die Bänder und Sehnen, wenn man diese Werkzeuge täglich sehr aktiv nutzt. Doch versteht mich nicht falsch, ich bin kein Sportler.

Banff ist der östlichste Ort der Rundreise und einer der schönsten bisher. Die Aspen Banff Lodge direkt an der Banff Avenue, an dem Tag ist die Hölle los, alle Hotels sind ausgebucht, am Tag darauf ist der Banff Ironman. Der Tag ist perfekt für einen Ausflug zum Sessellift, ab, auf den Mount Norquay – auf 2090 Metern, kommt der Sessellift an. Der Anblick: Atemberaubend. Keine einzige Wolke am strahlend blauen Himmel.

Am nächsten Tag ist das Wetter weiterhin so traumhaft, so dass die Entscheidung für die Gondel, rauf auf den Mount Sulphur, fällt. Dort oben ist eine Wetterstation, ein schöner Skywalk führt dahin, man hat eine grandiose Sicht auf Banff und auf andere, riesige Berge. Von dort kann man auch den Minnewanka See sehen, die Fahrt dahin ist sehr schön und der See selbst ist – meiner Meinung nach – schöner als Louise. Im Winter friert er bis zu 90 cm dick zu. An dem See wurde 1988 erstmalig der Versuch eines kontrollierten Waldbrandes unternommen. Leider geriet dieser außer Kontrolle und vernichtete 21 km Wald, der sich bis heute nicht davon erholte, den man legte das Feuer ganz unten, durch die Dichte des Waldes wurde der Boden 1000 Grad heiß und vernichtete alles an Leben. Der Wald auf der anderen Seite des Sees sieht auf den ersten Blick sehr dicht, üppig und grün aus. Leider ist er das nicht. Monokultur. Dadurch bedingt, kaum Leben im Wald.

IMG_7110 IMG_7115 IMG_7121 IMG_7129 IMG_7152 IMG_7185 IMG_7191 IMG_7193 IMG_7195 IMG_7197

Falls auf der Straße vor einem plötzlich alle bremsen, rechts ranfahren und aus den Autos hüpfen, heisst das nicht, dass sie alle pinkeln müssen, sondern dass Tiere zu sehen sind, was in einem Nationalpark sehr oft vorkommt. Big horn sheep, Karibu, deer, chipmunks. Bisher nur ein Elch in der Ferne, der die Straße überquert. Kein Bär. Kein Wolf in freier Wildbahn.

Stay tuned for Jasper :

Bilder unter http://www.instagram.com/meggyver

3 Gedanken zu “On the road

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s