Bärengeschichten.

Zwischen Jasper und Clearwater, liegen mehr als 300 km und eine Zeitzone, sowie eine Provinz. Plötzlich sind es wieder 9 Stunden früher, als in Deutschland, sobald der Wagen das „Welcome to British Columbia“-Schild passiert. In Alberta waren es 8h. Unterwegs einige wundervolle Wasserfälle, bei denen die Lachse auf ihrer letzten Wanderung ihr Glück versuchen. Die Laubbäume werden gelber, die Sonne taucht die Täler in zauberhaftes Licht, ich versuche alle Nuancen zu speichern.
In Clearwater angekommen, kaufe ich eine Glühbirne für den hinteren Blinker, leider gibt es an Bord dieser Luxus-Karosse keinen Torx-Schraubenzieher (dafür einen Besen) und mit meinem MegGyver-Taschenmesser komme ich auch nicht weiter. Ich frage einen gut aussehenden, jungen Mann in seinem unfassbar gut aussehenden Truck, ob er einen Schraubenzieher hat. Innerhalb von 5 Minuten hat er die Birne ausgewechselt, einige Tipps zur weiteren Reise gegeben, ein Loblied auf die deutsche Automobilindustrie gesungen und mit einem herzerweichenden Lächeln & Handkuss einen guten Tag und Reise gewünscht. Ich kann sie ja leider nicht alle heiraten, also werfe ich einen Handkuss zurück und steige ein.

Die „Helmcken Falls Lodge“ befindet sich inmitten des Walls Grey Provincial Parks, einem der schönsten Parks, die ich besuchen durfte. Es ist seelenruhig, das Zimmer neu renoviert, der Flauschteppich mit 4 Litern Febreze gereinigt. Ich lüfte.  Bei der Ankunft ist es noch hell genug, um zu dem 4. höchsten Wasserfall Kanadas zu fahren – Helmcken Falls. Mit Verlaub: Ich habe selten einen schöneren – wenn überhaupt – Wasserfall gesehen. Er ergießt sich aus einer „Schüssel“ und fällt in eine Grotte, was ihn so leise und sanft macht, dabei ist er 141 m hoch (Niagara Falls sind 53 m hoch).

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Das Abendessen ist schnell serviert und schmeckt super. Ich versuche, wenigstens jeden zweiten Tag keinen Burger oder Pommes zu essen, muss jedoch gestehen, dass es schwer fällt, denn die Burger sind nicht nur sehr lecker und reich mit Gemüse belegt, sondern auch sehr abwechslungsreich. Der Kanadier scheint einen Sport daraus zu machen, die wildesten Kreationen anzubieten. Bisher fehlt noch ein Bär-Burger.

Clearwater selbst ist kein hübscher Ort, wie die meisten Orte, tummelt er sich um den Highway und lebt viel vom Tourismus in den Provincial Park. Es gibt dort ein schönes Café ggü. des Tourist Centers, das im 50er Jahre-Stil dekoriert ist. Ein wenig kitschig, dafür gibt es doch köstliche, handgetuftete Pies und 2 zauberhafte ältere Damen, die den Laden schmeissen. Das „Strawberry“ ggü. ist etwas uselig, der Kaffee ist aber gut und das WiFi schnell, wobei das an der Tourist-Info völlig ausreicht, um das Bankkonto zu checken und die Fähre nach Nanaimo zu buchen, was man in der Hauptreisezeit 1-3 Tage vorher machen sollte, vor allem, wenn man an einem Wochenende auf die große Insel möchte. In der Helmcken Lodge und im großen Teils des Parks hat man gar kein Netz. Wifi wird über Satellit angeboten und ist verhältnismäßig teuer. Weshalb in an den zwei Abenden dort ein Buch anfange und beende 🙂 Es wird bereits dunkel gegen 8 pm.

Am 2. Tag im Park, nach dem Besuch einiger Wasserfälle und kleinerer Trails passiert es: Am Rand der Straße spaziert seelenruhig ein Schwarzbär (Ursus americanus).Ich werde innerlich so ruhig, dass ich fast aufhöre zu atmen. Er interessiert sich NULL für den Wagen 5 Meter neben ihn. Verfällt in einen leichten Trab, dann bleibt er stehen, FÜNF Meter entfernt und mampft seelenruhig Hagebutten. Wie niedlich er aussieht. Doch das täuscht. Bären können sehr gefährlich sein. Es.gibt Etiquetten, wie man sich zu verhalten hat. Glücklicherweise ist er weniger gefährlich als sein großer Verwandter, der Grizzly.

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Ein Schwarzbär kann bis zu 30 Jahren alt werden die meisten werden im Durchschnitt 10. Mehr als 90% aller Todesfälle von Tieren über 18 Monate gehen auf Begegnungen mit Menschen zurück (Jagd oder Verkehrsunfälle.)
Als nächstes sehe ich, bis zu 22 kg schweren Chinook-Lachsen, bei ihrer letzten, langen Reise zu. Einer sehr beschwerlichen Reise. Nach ihrer Geburt, bleiben sie 1-3 Jahre im Süßwasser, wandern dann mit dem Strom ins Meer, schwimmen da 1-3 Jahre rum, wenn sie dann nicht gefressen wurden oder im Netz gelandet sind, gehen sie zurück an den Ort ihrer Geburt. GEGEN den Strom. Wenn die Chinook angekommen sind, haben sie bis zu 4000 km zurückgelegt, ca. 40 km am Tag gegen den Strom, überwanden bis zu 3,60 m hohe Wasserfälle, um einmal abzuleichen und dann zu sterben.

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Es macht mich sehr nachdenklich, während ich eine knappe Stunde diesen Fischen dabei zuschaue, sie anfeuere, ihnen die Daumen drücke. Einige springen sehr hoch, klatschen gegen einen Felsen, fallen wieder zurück. Wie anstrengend das ist. Wie kräfteraubend nach all der Reise, all den Fällen bisher, den Stromschnellen, den unzähligen Versuchen. Doch sie haben eine Mission: Dafür sorgen, dass ihre Art erhalten bleibt. Wie viele ankommen MÜSSEN, damit die Art fortbestehen kann. Bei uns reicht ein Ei. Eine befruchtete Zelle. Und das macht meistens auch noch Spass. Der Lachs hat keine Wahl. Das ist seine DNA, sein Auftrag, seit dem Tag seiner Geburt.

Ich bin extrem beeindruckt, nachdenklich, fasziniert von der Natur und ihren Kuriositäten.

Am Ende des Parks erstreckt sich ein riesiger Clearwater Lake, der zur Ankunftszeit wunderschön im Sonnenuntergang schimmert und menschenleer ist

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Bilder unter http://www.instagram.com/meggyver

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