Rockies, my ass!

Der Herbst zieht ins Land ein. Die bisher malerisch schönste Strecke führt von Banff nach Jasper. Die eine Hälfte durch den Banff Nationalpark, dann wechselt man in den Jasper Nationalpark. Ich bin mir sicher, dass auf dieser Strecke die meisten Bilder (und Unfälle, mit auf der Straße knienden Touris) entstehen, auf denen man die endlosen Straßen, die sich sanft durch die Berge schlängeln und ihre Mittellinien sieht.

 

Man fährt an unzähligen Seen vorbei, einer schöner, als der andere. Die meisten sind türkis und schimmern wundervoll in der Sonne. Das Wetter ist nach wie vor ein Träumchen. Hier und da, sobald die Nadelwälder ein paar Laubbäume in ihrer Mitte willkommen heissen, sieht man den goldenen Herbst, den Indian Summer. Die einzige Farbe, die noch fehlt, ist das satte rot, doch in einigen Tagen ist offizieller Herbstanfang. Würde man überall anhalten, würde diese Strecke (ca. 300 km) locker 2 Tage in Anspruch nehmen, denn schneller als 100 km/h ist eh nicht erlaubt.

Ca. 100 km vor Jasper ist das Columbia Icefield. 6 Gletscher, einer schöner, als der andere. Es sind noch 3h bis Feierabend, also schnell die dicke Jacke angezogen und auf zum Gletscher. Im Tal sind es ca. 15 Grad und Sonne, ca. 15 Minuten später, in einem 1,5 Mio. CAN$ teurem „snow coach“, dessen Motor als Bremse eingesetzt wird und der 6 fette Reifen, á 5000 CAN$, eingespannt hat, sind es nur noch -2 Grad.

Der Gletscher Athabasca (Talgletscher) ist einer der 6 Hauptzungen des Columbia-Eisfelds in den kanadischen Rocky Mountains und ist an sich ein sehr hübscher Gletscher. einer von denen, die das Wetter der Welt mitbestimmt, der die Luft da oben abkühlt, damit unsere Sommer nicht noch heißer werden. Leider wird er das nur noch ca. 40 Jahre machen können, denn er verschwindet um 12 Meter pro Jahr (in den letzten 125 Jahren sind 1,5 km von dem Baby geschmolzen!) und das ist äusserst übel. Leider teilt er das Schicksal mit allen Gletschern dieser Welt und das ist mehr als furchteinflößend, wenn man sich vor Augen führt, was das bedeutet. Das Wetter auf dem Gletscher kann innerhalb von wenigen Minuten komplett umschlagen: Während wir noch im Sonnenlicht unsere Bilder machen können und mit großen Augen und knallroten Nasen und Wangen, über 1000 Jahre altes Eis hüpfen, wird die nächste Gruppe 10 Minuten später, einen Schneesturm haben. Zur Wintersaison werden die snow coaches auf großen Trucks nach Banff zum überwintern gebracht, da es auf dem Gletscher bis zu -70 Grad Celsius werden kann. `n büschn zu kalt, um da ein paar Bilder zu machen oder nen Schneemann zu bauen.


Die zweite Attraktion ist der Glacier Skywalk. Mit dem Bus wird man 6 km zur Glas-Plattform gebracht, die 280 Meter über dem und 30 Meter ins Sunwapta-Tal so rumhängt. Für Menschen mit Höhenangst ist das sicher eine Herausforderung, da ich glücklicherweise nicht darunter leide, hopse ich auf den dicken Glasplatten rum, die glücklicherweise einige Megs aushalten können. Der Ausblick ist überwältigend! Man sieht einen Fluss, der sich in Millionen von Jahren seinen Weg durch den Canyon gesucht hat, die Sonne geht langsam hinter den Gletschern unter, es ist magisch. Fehlt noch ein Bär.

Es wird Zeit, zum Wagen zurückzukommen und die letzten 100 km in den Sonnenuntergang auf 360 Pferdchen zu reiten. Der Himmel wird immer schöner, die Täler sanfter, langsam zieht sich die Strecke, es sind Stunden seit Frühstück und Banane. Endlich Jasper. Jasper und keine Pocahontas Cabins. Jasper ist zu ende. Auf einem Parkplatz hinter der Stadt, steht ein Taxi. „Oh, you`re doing fine, hon, just 30 more minutes and you`ll see it on your right.“ Oha, 30 Minutes sind 54 km, Jasper Nationalpark ist um 20:30 Uhr noch wunderschön. 2 Baustellen mit roten Ampeln am Arsch der Welt. Ankunft 8:50 pm, es gibt auf den letzten Drücker noch köstliche Pilz-Ravioli, die Küche schließt um 9 pm. Die Bedienung ist herzallerliebst, der Koch gibt Gas, das Essen steht 10 Minuten später auf dem Tisch. So perfekt der Tag war, so unfassbar ätzend wird die Nacht in einer verlebten Cabin, mit dem unbequemsten Bett des Universums. Mit Kreuzschmerzen aus der Hölle, buche ich ein Upgrade und bekomme eine Deluxe Cabin, mit einem King-Size Bett aus dem Himmel. Die zwei kommenden Nächte schlafe ich wie ein gesäugtes Bären-Baby.

Frühstück und Abendessen sind jeweils traumhaft, das Wetter ebenfalls, also ab auf den Whistlers Mountain (2181 m) in einer Gondel. Ich wiederhole mich gerne: Die Aussicht ist traumhaft. Oben sind es allerdings -4 Grad, während im Tal leckere 16 Grad sind. Ich sehe ein kleines Murmeltier oder einen Verwandten, das sich ein buntes Kaugummi geschnappt hat und hoffe, dass seine Mama ihm gesagt hat, dass man es nicht schlucken darf, da sonst der Magen verklebt. Der Weg zwischen Jasper und den Cabins ist wunderschön und voll mit Tieren, die gerne den kompletten Verkehr blockieren und auf der Straße rumstehen. Auf dem Weg nach Jasper liegt ein majestätisches Caribou am See. Ich befürchte, dass es verletzt sein könnte, das es sich kaum bewegt, ausser den Kopf und sich von all den Menschen nicht beeindrucken lässt, die am Straßenrand anhalten und Bilder machen. Auf dem Rückweg, Stunden später, liegt er auf der anderen Straßenseite im Graben. Am nächsten Tag ist er verschwunden. Was für ein Leben!


Es wird Zeit, eine Ladung Wäsche zu waschen. Die Kanadier, die ich kenne, waschen sehr kurz. Also die Maschinen. Ein Waschgang dauert selten länger als 35-40 Minuten – was recht wenig zu den dt. 2,5h in Deutschland ist.

Nach einem köstlichen Frühstück mit French Toast mit frischen Beeren, wird es Zeit, nach Clearwater aufzubrechen. 318 km. 2 Tage im Walls Grey Provincial Park. Und nem Bärchen.


Bilder unter http://www.instagram.com/meggyver

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