Hör auf zu motzen!

Jeder der mich kennt, weiß …

Das sollte der ursprüngliche Anfang für den Beitrag sein. Je länger ich jedoch darüber nachdachte, musste ich feststellen, dass aus dem Wunschdenken eine Floskel geworden ist.

Deshalb fange ich anders an:

Im Laufe unseres Lebens entwickeln wir sehr viele Eigenarten und Spleens. Das ursprünglich weiße Blatt, das wir mal als Kinder waren, füllt sich mit Strichen und Schnörkeln und Fresken und Labyrinthen und Strichmännchen. Manchmal sind klare Linien zu erkennen, dann sieht es wieder so aus, als wäre an einem Punkt im Leben der Stift abgebrochen, die Farbe verblasst, die Hand unsicher.

Fakt ist, wir lernen. Jede Stunde, jeden Tag unseres Lebens lernen wir dazu. Das führt unweigerlich dazu, dass wir uns verändern und durchaus unsere Meinung, Vorlieben, Einstellungen, Abneigungen ändern und justieren. Manch einer tut das gefühlt andauernd, andere brauchen dafür länger anhaltende Prozesse. Alles hat seine Berechtigung, alles ist legitim.

Es gibt Menschen, die irgendwann Rosenkohl probiert haben und feststellten, dass sie Rosenkohl abscheulich finden. Seitdem sind 30 Jahre vergangen und sie haben nie wieder Rosenkohl probiert und werden es auch niemals mehr tun.

Es gibt Menschen, die irgendwann Rosenkohl probiert haben und feststellten, dass sie Rosenkohl abscheulich finden. Danach probierten sie immer wieder mal – einige davon mochten ihn irgendwann, weil er besonders toll zubereitet war (und man seinen eigentlichen Geschmack nicht mehr wahrnahm) und andere, die ihn immer noch abscheulich finden, aber immer wieder probieren werden.

So weit, so Menschen.

Ich meiner DNA wurde sehr viel Zufriedenheit und Glück verbaut. Ich bin ein sehr zufriedener Mensch, rege mich grundsätzlich nicht über Sachen auf, die ich nicht beeinflussen kann und finde es auch zeitraubend (z.B. das Wetter oder die Dummheit der Menschen, Homöopathie oder Dinge, die längst in den Brunnen gefallen sind). Ich ziehe meine Schlüsse, das ja. Spare mir jedoch die Lebenszeit für das Jetzt und das Morgen.

Neuerdings höre ich öfter Kritik an meinem Verhalten und an meinem Denken und DAS hat mich zum nachdenken gebracht, denn wie kann ein sehr glücklicher Mensch so anecken?

1. Immer regst Du Dich über Mode für Dicke auf.

Ich rege mich darüber auf, dass Menschen, die sich Designer nennen, ihren Job nicht richtig machen.
Die mein Geld haben wollen für Kleidung, die weder richtig sitzt, sich angenehm anfühlt und eigens den Zweck erfüllt, nacktes Fleisch zu verdecken. Auch wenn dieses danach nicht von einem 7,5-Tonner zu unterscheiden ist. Und ich habe nicht vor damit aufzuhören und mich damit zu begnügen, wenn und dass mir etwas passt. Ich möchte kein billiges Plastik von BonPrix an meiner Haut, weil es das in meiner Größe gibt. Ich möchte das GUTE Zeug, aber so, dass es gut passt.

2. Nie hörst Du auf meine Diät-Tipps

Alleine darüber könnte ich Bücher schreiben. Keine Sorge, ich kann meinen Kram im Kopf auch ohne Bücher verarbeiten. Ich lese keine Zeitschriften mehr, die für Frauen gemacht werden (außer BARBARA, outing), weil ich es leid bin, dass andauernd jemand meinen Körper bewertet und meint mir vorschreiben zu müssen, wie ich auszusehen habe. Das ist so unfassbar langweilig, so viel Langweile kann ich gar nicht zusammenkratzen, wenn ich mein Jahrespotential sammeln würde. Und ja, dazu gehören auch Freunde und Familie. Du willst Deine 23. Diät machen, weil Du mit den 22 davon auch schon abgenommen hast? Ich bin sicher, Du findest den Fehler alleine.
Mehr verbrennen als essen. Das ist das ganze Geheimnis und ich brauche meine Lebenszeit für Urlaube, ein gutes Buch, einen Spaziergang am Rhein, Klönschnack mit Freunden beim ESSEN, statt für das Zählen von Kalorien und Punkten und Quinoa-Körnern.

3. Nie gibst Du Dich zufrieden mit dem, was Du hast

Blödsinn. Es geht beides: Zufrieden sein und nach Neuem/Verbesserung streben. Das eine schließt das andere nicht aus. Ich lebe in einer wunderschönen Wohnung, die ich dennoch immer wieder verändere. Wie auch meine Haarfarbe, meine Reisen, mein Auto, meinen Anspruch an Konsumgüter.
Und ich höre mehr auf meine innere Stimme, denn ich habe ihr erlaubt, lauter zu werden.
Ich schlucke nicht mehr so viel runter, sondern lasse meine Mitmenschen wissen, wenn ich ihre Worte als verletzend oder populistisch, rassistisch und dumm halte. Und nehme es in Kauf, dass eine Freundschaft entweder damit klar kommt oder daran zerbricht.
Das „komplizierte“ am älter werden ist, dass die Menschen unterschiedlich reifen und sich verändern. Damit ecken sie mit der Zeit öfter an – auch an ihre Freunde. Ich bin der Meinung, dass eine Freundschaft das aushalten muss und eine neue Sichtweise auf den alten Freund zulassen muss, damit sie noch intensiver und bereichernder werden kann.

Würde ich einer Freundin sagen, dass sie in dem Kleid/Hose „unvorteilhaft“ aussieht? Kommt darauf an. Würde ich einer Freundin sagen, dass mich ihre Worte verletzen? Ja.

4. Du verplanst das Leben ohne Rücksicht auf andere. 

Ja.

 

Vorschlag: Wenn Du das nächste Mal die Lebens- und Handlungsweise von jemandem verteufeln, kritisieren, bashen möchtest, weil sie so ganz anders ist als Deine: Halte inne und frag stattdessen neugierig nach dem Grund. Ich bin sicher, es hilft Dir dabei, Deinen Horizont zu erweitern.

 

 

 

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