#GettingGreenChallenge

Als ich auf die Welt kam, interessierte sich niemand in meiner Umgebung für den Umweltschutz.
Die Öfen in den Häusern wurden mit Kohle befeuert, in den harten Wintern in Oberschlesien gerne 24h/Tag, stromfressende Glühbirnen mit ihrem gelblichen Licht erhellten mehr oder weniger die Räume, deren Wände mitunter so kalt waren, dass sie auch gleichzeitig feucht waren. Ein weißes T-Shirt hatte am Ende des Tages einen Grauschleier von den Kohlekraftwerken, Eisenhütten und Diesel-Fahrzeugen, die den Schnee innerhalb von kürzester Zeit in einen schwarzbraunen Haufen gefrorenen Drecks am Straßenrand verwandelten.

Es gab einen Bereich, der halbwegs „grün“ war und das war der Bereich Lebensmittel – hier eher erzwungenermaßen als beabsichtigt, denn hinter dem Eisernen Vorhang gab es keine Obstsorten aus fernen Ländern oder ganzjährig Erdbeeren. Es war nicht bio, was wir hatten, aber es war regional und saisonal. Ich erinnere mich an große Speisekammern mit Regalbrettern bis zur Decke, prall gefüllt mit eingekochten Mirabellen, Kirschen, Erdbeeren, Äpfeln, Blaubeeren, Stachelbeeren, Brombeeren, Kürbissen, Birnen, Rhabarber.
Darunter Gläser mit Grützwurst, Leberwurst, Blutwurst – sobald im Dorf geschlachtet wurde, meldete man sich an und füllte die Speisekammern für die langen Winter und für die Zeitperioden, in denen man trotz Lebensmittelmarken nichts zu essen bekommen hat und froh war, gebunkert zu haben. Keine Sorge, ich litt niemals Hunger, denn wir waren allesamt Bauern oder hatten Familie, die Vieh hatte. Außerdem arbeitete meine Oma im Gleiwitzer Schlachthof. Von der Decke der Speisekammer hingen von Opa geräucherte Schinken und Forellen, Würste und Ketten mit duftenden, getrockneten Pilzen.
In den untern Fächern der Regale, die mit Sand gefüllt waren, lagen Mohrrüben, Steckrüben, Rote Beete und Kartoffeln. Kohl wurde meistens in allen Formen eingekocht. Neben den Regalen standen große töpfernde Gefäße mit Salz & Dill-Gurken und Sauerkraut.

Unsere Urlaube verbrachten wir entweder in der Hohen Tatra in umgebauten Zirkuswagen, wo wir auch Selbstversorger waren, weshalb Mama meist Tage vor dem Urlaub kochte, einkochte, buk und briet und den Wagen bis unters Dach mit dem Inhalt der Speisekammer füllte. Nur am Meer sind wir ab und an essen gegangen und schauten, was von der recht kargen Speisekarte noch vorhanden war. Denn auch die Restaurants bekamen ihr Essen teilweise zugewiesen.

Es fehlte mir an gar nichts.
Außer an Gedanken an die Umwelt. Ich nahm sie wahr, ich genoss, sie war Gott gegeben – zumindest dachte ich das damals.

Als wir die erste Wohnung in Deutschland bezogen, eine 90qm Wohnung, sozialer Neubau für unsere 5-köpfige Familie, staunte ich über die vielen Steckdosen in allen Räumen. Als ob man die alle bräuchte? Wofür nur?

Ein paar Wochen später waren sie gefühlt alle belegt. Wir hatten 3 Fernseher, 3 Stereoanlagen, einen C64, einen Discman, den man laden musste, unzählige Lampen und leuchtende Deko-Elemente. In der Küche alles an Elektrogeräten, das man sich vorstellen kann. Meine Eltern hatten zwei Autos, die Kinder machten alle mit 18 ihren Führerschein. Wir verbrannten keine Schwarzkohle mehr und unsere Autos waren keine Dieselfahrzeuge, aber dafür reisten wir kreuz und quer durch Europa, später flogen wir und unser schmutziger Fußabdruck wurde immer größer. Nur auch da machte ich mir keine Gedanken darüber, ich genoss mein Zimmer, mein Leben, den Luxus.

Seit einigen Jahren mache ich mir Gedanken.
Ironischerweise nachdem ich den vermutlich größten schmutzigen CO2-Abdruck hinterließ und nach Kanada flog, um dort einige Wochen auf einer Bio-Farm zu leben und zu arbeiten. Ich wurde sehr stark an die „grünen“ Zeiten meiner Kindheit erinnert, daran, wir man mit kleinen Schritten und Änderungen direkt vor der eigenen Nase etwas verändern kann. Wir ernteten, was wir säten.
Wir aßen, was wir ernteten, was auf der Farm ein langes und entspanntes Leben hatte (Hühner, z.B.) – davon allerdings recht wenig. Wir tranken das Wasser aus der Leitung, wir kauften all das, was wir selbst nicht herstellen konnten auf Märkten oder von anderen Menschen, die es hatten (Mehl aus einer Mühle, Haferflocken, Milch und Butter, etc.). Wie vermieden Plastik. Und ich entdeckte meine Liebe zu Walen und speziell zu Orcas, beschäftigte mich damit, wie ihre #10yearschallenge so war. Besuchte Film Festivals rund um das Thema Umwelt, Erderwärmung, Umweltschutz.

Schaute genauer hin beim Einkaufen, was wie eingepackt ist, in welche Art von Plastik.
Machte mich ein wenig schlauer darüber, wie und wo unser Müll entsorgt wir, nachdem wir ihn getrennt haben.
Verbannte Alu- und Frischhaltefolie, Küchenrolle. Kaufte keine Peelings mehr, sondern machte sie selbst. Keine Wattepads mehr, sondern wieder verwendbare. Kosmetik eher im Glas als in Plastiktuben, gleiches für Zahnpasta. Nicht alles ist perfekt, aber ich bin endlich bereit und willens meine Gewohnheiten zu ändern, auch wenn es unbequemer ist.

Ich fahre nach wie vor ein Auto und ich fliege nach wie vor nach Kanada und meine Bemühungen zuhause machen das nicht wett, das weiß ich. Noch bin ich nicht bereit, auf dieses Land zu verzichten, mit dem heimlichen Wunsch, eines Tages dort zu bleiben.
Und dennoch nehme ich mir raus, Menschen darauf anzusprechen, wenn sie 5 Tage die Woche bei Starbucks einen Wegwerfbecher samt Strohhalm nehmen, warum sie das nicht ändern. Und ihnen vor Augen zu halten, dass es extrem viele Stellschrauben gibt, an denen sie drehen können und dass jede davon relevant ist.

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3 Gedanken zu “#GettingGreenChallenge

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