„Antibabypille“ oder „Antifrau“?

Ich nehme die Pille derzeit auch nur damit ich weiß, welcher Wochentag ist.

Heute ist übrigens Donnerstag. 😉 (der Witz funktioniert natürlich nur an jedem Wochentag, AUSSER an einem Donnerstag.)

Seit meinem 16. Lebensjahr nehme ich die Pille – ununterbrochen. Das sind dieses Jahr 28 Jahre. 28 Jahre gaukeln diese kleinen Pillen meinem Körper eine Dauerschwangerschaft vor und dominieren, wenn frau so will, den Hormonhaushalt. Kein Eisprung.

„Die Hormone in der Anti-Baby-Pille verhindern den Eisprung der Frau, sowie dass Spermien in ihre Gebärmutter eindringen. Somit kann die Frau bei korrekter Einnahme der Pille nicht bzw. nur in sehr seltenen Fällen schwanger werden.“ Quelle

Durchbruch der Pille in den 1950er Jahren

1957 wurde die erste Anti-Baby-Pille, das Präparat Enovid, in den USA zugelassen – zuerst noch als Mittel gegen Menstruationsbeschwerden.

1960 kam Enovid offiziell auch als Verhütungsmittel auf den Markt.

1961 war die Pille unter dem Markennamen Anovlar von Schering in Deutschland erhältlich – allerdings wurde es nur verheirateten Frauen mit mehreren Kindern verschrieben und sollte offiziell gegen Menstruationsbeschwerden helfen.
Quelle

Situation heute

In Deutschland verhütet heute laut einer repräsentativen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mehr als jede zweite Frau zwischen 18 und 49 Jahren mit der Pille. Für Frauen unter 20 Jahren ist sie kostenlos erhältlich.
Quelle

Ich bekam die Pille damals jedoch nicht für ihren eigentlichen Zweck, nämlich die Empfängnisverhütung, sondern weil meine monatlichen Menstruationsbeschwerden extrem waren. Und mit extrem meine ich nicht nur Übelkeit und Krämpfe aus der Hölle, sondern teilweise sogar Ohnmacht. Die Pille regelte es.

Ich möchte euch sehr ans Herz legen, das Wort „Antibabypille“ bei Wikipedia einzugeben und etwas über die Geschichte nachzulesen. Eine Revolution.

Und bis heute das meist verwendete Verhütungsmittel bei Frauen gleichzeitig das mit den mit den meisten Nebenwirkungen.

Blutungsstörungen, Blähbauch, Übelkeit, Gewichtszunahme, psychische Beeinträchtigungen wie depressive Verstimmungen (!!), Brustspannen, Kopfschmerzen, trockene Scheide, geringere Lust auf Sex (sic!), Zysten an den Eierstöcken, Akne, Vermännlichung wie Gesichtsbehaarung oder tiefere Stimme, Thrombosen (Verschluss der Blutgefäße), Herzinfarkt, plötzliche Durchblutungsstörungen (Apoplexie) mit beispielsweise Schlaganfall als Folge, Gebärmutterhals- oder Brustkrebs, Abnahme der Knochendichte. etc. pp.

Wusstest Du das?
Für mich bedeutet die Pille eine Art „Freiheit“. Keine Sorge um Blutungen, Schmerzen, „böse Überraschungen“, etc.

Ich werde sie dennoch absetzen. Ironischerweise rät meine Gynäkologin davon ab, denn meine jetzige Pille ist „gering dosiert“ (es handelt sich um die Jubrele und ich nehme sie seit über 5 Jahren durch) was bei mir dazu führt, dass ich seit 5 Jahren keine monatlichen Blutungen mehr bekommen habe. „Wollen Sie das wirklich wieder haben, all die Nebenwirkungen ohne Pille?“ – eine krasse Frage, oder?

Ich gestehe: Mir ist etwas bang. Ich bin nicht scharf auf (un-)regelmäßige Periode, Schmerzen, Stimmungsschwankungen (die ich mit der Pille nicht habe), etc. pp.

Ich bin auch nicht so esoterisch erpicht darauf, meinen Körper total zu spüren, auf den Eisprung zu warten, mir einen Blumenkranz zu flechten und meinen Körper zu zelebrieren. Dennoch möchte ich gerne erleben, wie sich mein Körper anfühlt (innen und außen), wenn er nicht mehr unter Hormoneinfluss steht.


Ich fühle mich gerade wie vor dem ersten Mal.
Was werde ich spüren? Werde ich was spüren? Wie wird der Zyklus sein? Kommen die Schmerzen von der Zeit vor der Pille wieder? Wir wirkt sich das auf meine Psyche aus und merke ich physisch auch was? Welche Produkte werde ich nehmen … Tampons, Tassen, Höschen?

Ich fühle mich gerade wir vor dem ersten Mal.

Und dennoch ist es dringend nötig.

Ich werde hier berichten, wie es sich anfühlt.

P.S. Ich habe auf Insta nach einigen Zyklus-Tracking-Apps gefragt und viel Feedback von euch bekommen. Viele dieser Apps senden viele eurer persönlichen Daten z.B. an Facebook. Hier ein Artikel dazu.

Es gibt aber auch welche, die etwas besser sind und die Daten lokal speichern. Die findest Du hier .

Welche nutzt Du?

6 Gedanken zu “„Antibabypille“ oder „Antifrau“?

  1. Sehr gute Entscheidung. Ich habe die Pille (aus ähnlichen Gründen) 45 Jahre genommen, zum Schluss eine ‚leichte‘ mit geringem Risiko. Dann wurde der Brustkrebs diagnostiziert 😦

    • Hallo Klammerdackel, danke für Deinen Kommentar … 45 Jahre sind schon echt ein Brett.
      Ob der Krebs auf die Pille zurückzuführen ist …? 😦

  2. Wenn die Bescherden wieder so schlimm sein sollten, dann lass mal untersuchen, ob du Endometriose hast. Das ist sehr oft so, bis zur richtigen Diagnose vergehen in der Regel 10 Jahre! 😬
    Wenn du mehr über Infos dazu wissen möchtest, dann melde dich gerne.
    Ansonsten wünsche ich dir alles Gute für die Zeit „ohne“, ich hab mich wieder mehr in mir zu Hause gefühlt. 😉

  3. Selbst habe ich die Pille nie genommen, aber ich habe einige Frauen im Bekanntenkreis, die als Teenager angefangen haben und Jahre später aus diversen Gründen wieder aufgehört haben. Fast alle haben mir berichtet wie sehr sich ihre Stimmung (generell besser wenn auch teilweise Stimmungsschwankungen wegen PMS) und ihr Wunsch nach Sex (stärker) verändert haben. Ich finde das echt krass.

    Viel Glück für die neue Zeit ohne Pille. Vielleicht hast du Glück und es wird nicht wieder so schlimm. Bei mir hat sich das über die Jahre (ich bin 39) ziemlich geändert. Ich kann mittlerweile auch ziemlich genau vorhersagen wann ein Eisprung stattfindet und wann die nächste Periode kommt ohne in den Kalender zu gucken. Das geht einfach nach Körpergefühl.

    Was meinen Periodentracker angeht: Papier und Stift (konkret: mein analoger Terminplaner). Ich traue keiner App mit diesen Daten.

    • Danke! <333 Ja, die Geschichten sind gruselig und oft merkt man leider erst nach dem Absetzen, was alles "nicht okay" war.

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