Magic carpet ride.

„Bist Du schon wieder angekommen?“ ist die Frage, die ich in den letzten 2 Wochen, seit der Rückkehr aus Kanada, am häufigsten höre. Dicht gefolgt von „Und, wann wanderst Du aus?“

Die erste Frage ist sehr leicht zu beantworten: Ja, leider. Das ging sehr schnell. Nämlich sobald ich auf deutschem Boden war, muss ich gestehen. Was mir vor Kanada nicht so klar und deutlich war, ist die schlechte Grundstimmung in Deutschland. Bevor man mir die Glorifizierung Kanadas vorwirft, sei hier anzumerken, dass ich nicht ausschliesslich aus der Sicht eines Touristen spreche, sondern eines Menschen, der, unter anderem, 6 Wochen lang auch einen Alltag hatte und sehr viele Menschen traf und kennenlernte, die dort leben, arbeiten und lieben.

In 10 Wochen ist mir kein einziger, unfreundlicher Mensch begegnet. Sehr schnell bestätigte sich auch der „Witz“:

„Woran erkennt man in einem  dunklen Raum mit 50 Personen den einzigen Kanadier? Er ist der einzige, der sich entschuldigt, wenn man ihm auf den Fuß tritt.“

Wer schon mal in den USA war, kennt ggf. diese „How do you do?/How are you?“-Mentalität, deren Interesse und Freundlichkeit mit dem Setzen des Fragezeichens endet. Nicht so in Kanada. Ob auf der Fähre, im Bus, in der Schlange im Supermarkt, an der Kasse, auf dem Parkplatz, im Geschäft, in der Fußgängerzone, im Flugzeug, auf der Toilette, etc. pp. – selten kommt man so einfach mit Menschen ins Gespräch, die einen anlächeln. Eine Service-Kultur, die ich mir für Deutschland sehr wünschen würde. Ich gehe gerne essen und gebe für gutes Essen auch gerne (mehr) Geld aus, dafür erwarte ich einen einwandfreien Service.

Als ich mit 15 Jahren anfing zu kellnern, sagte mein damaliger Chef: „Hier geben Menschen ihr schwer verdientes Geld für ein wenig Luxus aus. Nicht für die schlechte Laune der Kellner. Wenn ihr also einen Scheiß-Tag habt, ruft lieber an und bleibt zuhause.“

In Kanada wurde ich in meiner (guten) Menü-Wahl bestätigt, man kümmerte sich sehr zuvorkommend. Ob bei Wendy’s oder in der gehobenen Gastronomie. Sicher mag es auch daran liegen, dass das Grundgehalt niedrig ist und das Haupteinkommen durch Trinkgeld verdient werden muss. Das Modell sollten sich einige Gastronomen in Deutschland zumindest mal durch den Kopf gehen lassen. Denn wäre ein Kellner z.B. am Getränke-Umsatz beteiligt, würde ich mit Sicherheit mehr konsumieren (können), statt entnervt und dann resigniert nach der Bedienung Ausschau zu halten und entschuldigend-devot um ein weiteres Getränk bitten.

Mimi nahm mich stets mit, wenn sie ihre Freunde und Bekannten besuchte, so dass ich auf diese Art und Weise sehr viele Menschen kennengelernt habe. Sehr unterschiedliche Menschen. Akademiker, die ihre Professuren der Landwirtschaft zur Liebe an den Nagel gehängt haben, emeritierte Ingenieure, First Nations-Menschen, mit tollen Geschichten, Ziegen- und Schweine-Züchter, Köche, Kindergärnterinnen. Sie alle hießen mich herzlich willkommen und beim spätestens zweiten Besuch, servierten sie mir einen Earl Grey-Tee, den sie beim ersten Mal ggf. noch nicht im Haus hatten. Das mag zwar nun ein schöner Zufall sein, aber jedes Mal, wenn wir jemanden besucht haben – und das geschah beinahe täglich – wurde gerade irgendwas gebacken oder gerade aus dem Ofen geholt 😉 Niemand von ihnen jammerte. Man echauffierte sich über die Politik des Landes oder sorgte sich über die Dürre-Periode und diskutierte über die anstehenden Veränderungen, die diese mit sich brächte, wenn sie noch länger andauernde. Man steckte jedoch viel mehr Energie in eine praktische Lösungsfindung, als in das Problem selbst. NACHBARSCHAFTSHILFE wird groß geschrieben.

Auf der Suche nach Schuhen in einer bestimmten Größe, graste ich eine Menge Geschäfte ab. In allen, die diesen Schuh nicht führten, entschuldigte man sich nicht nur dafür, sondern zählte mitunter sogar Alternativen bei der Konkurrenz vor. In Deutschland bekam ich lediglich ein „Führen wir nicht.“ Was ja schon in Ordnung ist. Aber wenn ich möchte, dass diese Person wiederkommt, schlage ich Alternativen vor.

Doch genug davon, ich möchte ja nicht jammern, sondern ich werde handeln. Zum einen werde ich es mir nicht mehr bieten lassen, sondern den Mund aufmachen. Ich möchte nicht der Mensch sein, der die Klappe hält und danach auf Bewertungsplattformen eben diese, destruktiv, aufreisst.

Ich möchte meinen Freunden und Menschen, die mir nahe stehen, deutlicher sagen, wenn mich etwas stört. 

Konstruktiv und liebevoll, aber sehr deutlich.

Ich werde negative Menschen aus meinem Leben verbannen und den Seelenvampiren den Zugang kappen. Einer der Gründe, warum ich zum Schluss gar nicht mehr getwittert habe: Ich wollte meine schönen, glücklichen Erlebnisse nicht in diese Jauchegrube werfen, in der sie vor lauter Selbstmitleid und Luxus-Pessimismus untergehen, denn es ist offenbar angesagter, auf der negativen Welle zu surfen, als Erfolgserlebnisse zum besten zu geben. Ich wollte das Schöne nicht verpesten lassen. Auch wenn Twitter nur ein Auszug ist, es spiegelt den Querschnitt der Bevölkertung wieder.

Zum Schluss mochte ich nicht mal mehr Nachrichten lesen. Wisst ihr, in der Sportwelt kann man diese „Grund-Negativität“ sehr deutlich sehen. Wird bei einem großen Sportereignis ein Deutscher nicht Erster, sondern Zweiter oder 14er, ist die Euphorie verhalten. Ich wäre FROH, wenn ich bei einer Tour de France EINE Etappe schaffen würde. Die Wertschätzung für Erfolge ist schlichtweg verschroben. Gänzlich. Auch wenn mir schleierhaft ist, welche Meßlatte man an diesen Stellen zugrunde legt.

Wenn man dann ein wenig Abstand zu Twitter und Facebook, den Nachrichten-Apps, WhatsApp-Gruppen bekommt und wenn man glücklich ist oder wie ich, von Grund auf positiv, lösungsorientiert und optimistisch, fällt es zunehmend schwer, dieses Wohlstandsjammern zu ertragen.

Daraus resultierend, bin ich sehr vielen Menschen entfolgt, die ausschliesslich negative Stimmung machen und mitunter ernsthafte, seelische Probleme haben.Der einfache und durchaus egoistische Grund dafür ist: Es zieht mich runter.

Da ich weder ein Psychologe bin, noch die Ambition habe, die (wildfremden) verlorenen Seelen zu retten, die seit Jahren, täglich vom Ende ihres Lebens twittern, muss ich sie meiden. Ich muss und will so leben, als hätte ich nur dieses eine Leben und in diesem steht an erster Stelle der wichtigste Mensch: ICH. Nur dann, wenn dieser Mensch frei atmen und sich entfalten kann, kann er für andere nützlich sein.

Jeder hat sein Päckchen zu tragen, auch wenn er dieses nicht täglich vor einem großen Publikum ausbreitet. Doch jeder hat das Recht zu entscheiden, ob er sich noch ein weiteres auflädt und noch ein weiteres. Auch Kanadier haben ihre Päckchen, die Polen, Niederländer … es ist eine Frage der inneren Einstellung, wie man mit diesem Paket umgeht. Eine Willensentscheidung, ob und wie weit man es trägt oder sich dabei helfen lassen möchte und kann. Ich bin kein Arzt und maße mir nicht an, darüber urteilen zu können. Ich weiß jedoch aus eigener Erfahrung, dass es Selbstheilungskräfte gibt, die man aktivieren kann und das passiert nicht dadurch, dass man sich selbst jeden Tag den Dämonen hingibt.

Deutschland ist ein tolles Land, lasst euch das von jemandem sagen, der in einigen Ländern dieser Welt leben durfte oder zumindest einen guten Einblick bekommen hat. Deutschland hat viele Regeln und Gesetze – manche mögen übertrieben sein und auch unlogisch, doch im Großen und Ganzen haben wir das Privileg eines Rechtsstaates, in dem der Wille vom Volke ausgeht,  wir sind größtenteils von Naturkatastrophen verschont und idealerweise hat niemand von uns, der hier seit Jahren lebt, Angst um sein Leben und seine Zukunft haben müssen. Klar, kann es dann schon mal langweilig werden, weshalb man sich dann über Straßenschilder, zu viele Kalorien in der Pizza, Schnee im Winter, Sonne im Sommer, Regen im Frühling und Laub im Herbst, zu laute Vögel, zu grüne Frösche, etc. pp.  aufregt.

Oder man kann den Stock aus dem Arsch ziehen und authentisch sein, statt auf jedes Brett zu treten, das vorbeirollt.

Die zweite Frage, die mir seit meiner Rückkehr gestellt wird, ist auch einfach zu beantworten:

An dem Tag, an dem ich das ewige Jammern nicht mehr ertragen kann.

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Vancouver Island

Es gibt eine Stadt, die ich leider nur im strömenden Regen und Nebel gesehen habe: Whistler. Dabei habe ich mir von der Stadt eine Menge versprochen. Bereits die Fahrt dahin war ein Abenteuer und führte über recht schmale, bergige Straßen, die Sicht war teilweise unter 50 Metern und die fette Karre hat leider keine Nebelscheinwerfer. Das Licht reichte jedoch aus, um den großen Schwarzbären zu entdecken, der sich aufmachte, gemütlich den Highway zu überqueren, völlig unbeeindruckt, ob der Tatsache, dass alle Autos für ihn eine Vollbremsung auf die nasse Fahrbahn hinlegten. Er spaziere von rechts nach links und verschwand im Dickicht. Ein paar Minuten später sah ich ihn aus nächster Nähe, als er an den Zelten einiger Camper schnupperte.

Also eine Nacht in Whistler und am nächsten Morgen im Regen nach Horseshoe Bay, um die Fähre nach Vancouver Island zu nehmen. Vancouver Island, früher auch Quadra, ist die größte nordamerikanische Pazifikinsel. Länge 450 km, Breite 100 km. Vancouver Island beherbergt noch große zusammenhängende Stücke gemäßigten Küstenregenwaldes. Und dieser Wald ist traumhaft schön.

Und das ist auch das Stichwort für den ersten Tag: REGEN! Es regnet nahezu ununterbrochen. Der Weg führt von Nanaimo nach Ucluelet. Ich bin müde, aber voller Vorfreude auf das Wya Point-Resort. In Deutschland hatte ich bei Facebook Werbung für das neue Resort gesehen und mich sofort in die Cabins direkt am Pazifik verliebt. Als die Reise geplant wurde, bat ich im Reisebüro darum, 2 Nächte dort zu verbringen. Die Cabins stellten sich jedoch als recht teuer heraus, es gab jedoch noch luxuriöse Jurten. Alles Mitten im Wald, ökologisch aufgebaut.

Durch den Regen und die schlechten Sichtverhältnisse, dauert die Anfahrt länger als gedacht und zerrt an den Nerven. Ich habe Hunger, bin müde und will endlich in meine Jurte. Glücklicherweise ist noch jemand am Empfang, auch wenn bereits ein Umschlag mit Anweisungen am schwarzen Brett hängt, für den Fall einer noch späteren Ankunft. Von hier sind es noch 2 km bis zur Abzweigung in den Wald und noch 1 km durch einen arschdunklen Wald, eine extrem schmale Straße und 56 Schlaglöcher, in denen problemlos Kinder Verstecken spielen können. Endlich an den Jurten, es ist noch dunkler und es regnet Bären und Elche. Ich bin aufgeregt, freue mich auf etwas zu essen, auch wenn mich bereits dünkt, dass es hier nichts Eßbares gibt und auf eine Dusche und Bett.

 

Ich stehe vor der Jurte, die Aufregung schlägt in Entsetzen um. Vor mir ein rundes Zelt mit einer Veranda. Im Zelt ein Sofa, eine Kommode, ein kleiner Propangas-Ofen, eine Batterie mit Lampe und ein Container mit Wasser, inkl. Plastikschüssel.

Eingang
Inneneinrichtung

BÄÄÄÄM.

Flashback: Ich bin plötzlich 7 Jahre alt und stehe vor einem Zelt in der polnischen Tundra. Oder Taiga. Oder Walachei, gefüllt mir Ohrenkneifern, dem Schweiß von 3 anderen, muffigen Pfadfindern, muss Pipi, habe Durst und Hunger. Und beschliesse, für immer in meinem Leben, das Zelten zu hassen.

Zurück nach Ucluelet. Ich höre den Ozean, der nur 5 Meter entfernt gegen die Felsen wütet, während monsumartiger Regen auf die Plastikplane der Jurte knallt, laut, wie ein monströser Wasserfall. Ich schalte den Ofen ein, es wird wärmer. Ziehe das Sofa aus, packe die Bettwäsche ein, schnappe mir eine Zahnbürste, watschele durch den Regen zu den Waschräumen – zum Glück hat mein iPhone eine Taschenlampe – singe etwas lauter vor mich hin, damit die Bären fernbleiben, putze mir die Zähne, ohne das Wasser in den Mund zu nehmen, denn wir haben Wasser-Warnstufe 2, gehe aufs Klo, dann wieder in die Jurte. Die Toiletten sehen übel aus, allerdings sind sie nicht schmutzig, sondern durch das Grundwasser der Zedern rötlich verfärbt, was auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig ist.

Das Wasser prasselt immer heftiger auf das Dach, der Wind bläst, das Feuer wirft rote Lichter an die Wände. Ich lächele, dann schlafe ich ein. Für ca. 3 Stunden, denn der Lärm ist ohrenbetäubend.

Am nächsten Tag frage ich nach einem Upgrade, da mir zwar die Jurte doch noch gefällt, aber aufgrund des extrem lauten Regens, keine Chance auf Schlaf besteht. Da es außerhalb der Saison ist, gibt es eine Lodge und die hat einen wunderschönen Ausblick auf das Meer, direkt vom Bett aus. Ich könnte kaum glücklicher sein.


  
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Wer in Ucluelet ist, sollte unbedingt im „Blue Room“ frühstücken. Es ist ausgezeichnet und absolut bezahlbar, allerdings auch sehr beliebt, ggf. muss man ein wenig auf einen Tisch warten. Während des Frühstücks ist es noch dicht bewölkt. Dennoch gibt es einen schönen Trail entlang der Küste, durch einen der schönsten Wälder, die ich je gesehen habe: Der Wild Pacific Trail. Plötzlich sind die Wolken weg, der Himmel ist blau, die Sonne scheint, es sind über 17 Grad – der Ausblick aus der Lodge auf den kleinen, privaten Strand ist atemberaubend. Der Sonnenuntergang auch.

 


  

Am nächsten Tag geht es 30 km weiter nach Tofino. Der Weg dorthin führt durch den Regenwald. Rechts und links ist der Wald so dicht, dass man maximal 2 Reihen reinschauen kann. Tofino ist in Sonne gebadet, Menschen in Flipflops mit Surfbrettern unter dem Arm und einem Latte in der Hand laufen durchs Städtchen. Ich trinke einen Almond Latte und besteige dann ein Bötchen, um ein paar Wale zu sehen.

Grauwale sind es heute. Majestätisch. Wunderschön. Das Boot mit seinen 2×150 PS Motoren knallt über den Pazifik, nichts für schwache Mägen. Es ist eine einzige Achterbahn-Fahrt und ich jauchze und grinse. Nur als wir anhalten,  um Seelöwen und Seeotter anzuschauen und das Boot auf dem offenen Pazifik das Schaukeln beginnt, wird mir recht flau im Magen. Glücklicherweise verschwindet das sofort wieder, als sich das Boot wieder vorwärts bewegt.

Das Long Beach Lodge Resort ist eines der wunderschönsten der ganzen Reise. Direkt am Meer, welches man aus der großen Badewanne aus sehen kann, ein Badezimmer, welches größer ist, als die meisten Zimmer, in denen ich schlief und ein hervorragendes Restaurant. Long Beach selbst, ist ein großer, schöner Strand, der Sonnenuntergang ein Traum. Ich storniere eine Übernachtung und fahre am nächsten Morgen ganz früh Richtung Campbell River, um dort die Fähre nach Quadra Island zu besteigen und nochmal zur Farm zu fahren, um Tschüss zu sagen.

 


  

Mit jedem Kilometer näher, wird mein Herzklopfen lauter. Der Hund rastet fast aus vor Freude, wobei schwer zu sagen ist, wer sich mehr freut. Die Enten haben keinen Flaum mehr, sondern Federn. Bobby, das Miniatur-Schaf, folgt mir immer noch wie ein Welpe. Wir backen Brot, kochen Gulasch, machen den Kamin an. Es ist schön, als besuchte man die Lieblingstante. Am nächsten Morgen werden die Schafe zum Schlachter gefahren und eine Ziege. Wir essen noch Lunch zusammen, dann heißt es Abschied nehmen. Ich weine noch, als ich schon auf der Fähre bin.

 

Charlie, das Alpaka
Bobby, das Mini-Schaf
Villa Kunterbunt
Hiero ❤

Victoria. Die Hauptstadt von British Columbia. Sie liegt am Südzipfel von Vancouver Island und hat ihren Ursprung in einem 1843 errichteten Handelsposten der Hudson’s Bay Company. Der Name geht auf die britische Königin Victoria zurück.

Fisherman’s Wharft, mit ihren buten, wunderschönen Häusern direkt im Wasser, ein Weg am Hafen entlang, ein kleiner Seeotter, der neugierig das Köpfchen aus dem Wasser hält, die Sonne, die den Ahorn gelb und rot leuchten lässt und ein Wolkenschauer im Beacon Park. Es ist ein schöner Tag in einem bezaubernden Städtchen und der letzte auf der Insel, auf der ein großes Stück meines Herzens ein neues Zuhause-Gefühl und tolle Menschen gefunden hat.


  

Mit der Fähre geht es von Swartz-Bay nach Richmond, in die Nähe des Flughafens. Es ist ein sonniger Tag, der danach schreit, ihn am Meer zu beenden. Die Sonne geht unter im Gerry Point Park in Steveston, es gibt noch frischen Fisch zum Abschied.


  

Bis ganz bald, Kanada.

Bärengeschichten.

Zwischen Jasper und Clearwater, liegen mehr als 300 km und eine Zeitzone, sowie eine Provinz. Plötzlich sind es wieder 9 Stunden früher, als in Deutschland, sobald der Wagen das „Welcome to British Columbia“-Schild passiert. In Alberta waren es 8h. Unterwegs einige wundervolle Wasserfälle, bei denen die Lachse auf ihrer letzten Wanderung ihr Glück versuchen. Die Laubbäume werden gelber, die Sonne taucht die Täler in zauberhaftes Licht, ich versuche alle Nuancen zu speichern.
In Clearwater angekommen, kaufe ich eine Glühbirne für den hinteren Blinker, leider gibt es an Bord dieser Luxus-Karosse keinen Torx-Schraubenzieher (dafür einen Besen) und mit meinem MegGyver-Taschenmesser komme ich auch nicht weiter. Ich frage einen gut aussehenden, jungen Mann in seinem unfassbar gut aussehenden Truck, ob er einen Schraubenzieher hat. Innerhalb von 5 Minuten hat er die Birne ausgewechselt, einige Tipps zur weiteren Reise gegeben, ein Loblied auf die deutsche Automobilindustrie gesungen und mit einem herzerweichenden Lächeln & Handkuss einen guten Tag und Reise gewünscht. Ich kann sie ja leider nicht alle heiraten, also werfe ich einen Handkuss zurück und steige ein.

Die „Helmcken Falls Lodge“ befindet sich inmitten des Walls Grey Provincial Parks, einem der schönsten Parks, die ich besuchen durfte. Es ist seelenruhig, das Zimmer neu renoviert, der Flauschteppich mit 4 Litern Febreze gereinigt. Ich lüfte.  Bei der Ankunft ist es noch hell genug, um zu dem 4. höchsten Wasserfall Kanadas zu fahren – Helmcken Falls. Mit Verlaub: Ich habe selten einen schöneren – wenn überhaupt – Wasserfall gesehen. Er ergießt sich aus einer „Schüssel“ und fällt in eine Grotte, was ihn so leise und sanft macht, dabei ist er 141 m hoch (Niagara Falls sind 53 m hoch).

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Das Abendessen ist schnell serviert und schmeckt super. Ich versuche, wenigstens jeden zweiten Tag keinen Burger oder Pommes zu essen, muss jedoch gestehen, dass es schwer fällt, denn die Burger sind nicht nur sehr lecker und reich mit Gemüse belegt, sondern auch sehr abwechslungsreich. Der Kanadier scheint einen Sport daraus zu machen, die wildesten Kreationen anzubieten. Bisher fehlt noch ein Bär-Burger.

Clearwater selbst ist kein hübscher Ort, wie die meisten Orte, tummelt er sich um den Highway und lebt viel vom Tourismus in den Provincial Park. Es gibt dort ein schönes Café ggü. des Tourist Centers, das im 50er Jahre-Stil dekoriert ist. Ein wenig kitschig, dafür gibt es doch köstliche, handgetuftete Pies und 2 zauberhafte ältere Damen, die den Laden schmeissen. Das „Strawberry“ ggü. ist etwas uselig, der Kaffee ist aber gut und das WiFi schnell, wobei das an der Tourist-Info völlig ausreicht, um das Bankkonto zu checken und die Fähre nach Nanaimo zu buchen, was man in der Hauptreisezeit 1-3 Tage vorher machen sollte, vor allem, wenn man an einem Wochenende auf die große Insel möchte. In der Helmcken Lodge und im großen Teils des Parks hat man gar kein Netz. Wifi wird über Satellit angeboten und ist verhältnismäßig teuer. Weshalb in an den zwei Abenden dort ein Buch anfange und beende 🙂 Es wird bereits dunkel gegen 8 pm.

Am 2. Tag im Park, nach dem Besuch einiger Wasserfälle und kleinerer Trails passiert es: Am Rand der Straße spaziert seelenruhig ein Schwarzbär (Ursus americanus).Ich werde innerlich so ruhig, dass ich fast aufhöre zu atmen. Er interessiert sich NULL für den Wagen 5 Meter neben ihn. Verfällt in einen leichten Trab, dann bleibt er stehen, FÜNF Meter entfernt und mampft seelenruhig Hagebutten. Wie niedlich er aussieht. Doch das täuscht. Bären können sehr gefährlich sein. Es.gibt Etiquetten, wie man sich zu verhalten hat. Glücklicherweise ist er weniger gefährlich als sein großer Verwandter, der Grizzly.

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Ein Schwarzbär kann bis zu 30 Jahren alt werden die meisten werden im Durchschnitt 10. Mehr als 90% aller Todesfälle von Tieren über 18 Monate gehen auf Begegnungen mit Menschen zurück (Jagd oder Verkehrsunfälle.)
Als nächstes sehe ich, bis zu 22 kg schweren Chinook-Lachsen, bei ihrer letzten, langen Reise zu. Einer sehr beschwerlichen Reise. Nach ihrer Geburt, bleiben sie 1-3 Jahre im Süßwasser, wandern dann mit dem Strom ins Meer, schwimmen da 1-3 Jahre rum, wenn sie dann nicht gefressen wurden oder im Netz gelandet sind, gehen sie zurück an den Ort ihrer Geburt. GEGEN den Strom. Wenn die Chinook angekommen sind, haben sie bis zu 4000 km zurückgelegt, ca. 40 km am Tag gegen den Strom, überwanden bis zu 3,60 m hohe Wasserfälle, um einmal abzuleichen und dann zu sterben.

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Es macht mich sehr nachdenklich, während ich eine knappe Stunde diesen Fischen dabei zuschaue, sie anfeuere, ihnen die Daumen drücke. Einige springen sehr hoch, klatschen gegen einen Felsen, fallen wieder zurück. Wie anstrengend das ist. Wie kräfteraubend nach all der Reise, all den Fällen bisher, den Stromschnellen, den unzähligen Versuchen. Doch sie haben eine Mission: Dafür sorgen, dass ihre Art erhalten bleibt. Wie viele ankommen MÜSSEN, damit die Art fortbestehen kann. Bei uns reicht ein Ei. Eine befruchtete Zelle. Und das macht meistens auch noch Spass. Der Lachs hat keine Wahl. Das ist seine DNA, sein Auftrag, seit dem Tag seiner Geburt.

Ich bin extrem beeindruckt, nachdenklich, fasziniert von der Natur und ihren Kuriositäten.

Am Ende des Parks erstreckt sich ein riesiger Clearwater Lake, der zur Ankunftszeit wunderschön im Sonnenuntergang schimmert und menschenleer ist

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Bilder unter http://www.instagram.com/meggyver

Rockies, my ass!

Der Herbst zieht ins Land ein. Die bisher malerisch schönste Strecke führt von Banff nach Jasper. Die eine Hälfte durch den Banff Nationalpark, dann wechselt man in den Jasper Nationalpark. Ich bin mir sicher, dass auf dieser Strecke die meisten Bilder (und Unfälle, mit auf der Straße knienden Touris) entstehen, auf denen man die endlosen Straßen, die sich sanft durch die Berge schlängeln und ihre Mittellinien sieht.

 

Man fährt an unzähligen Seen vorbei, einer schöner, als der andere. Die meisten sind türkis und schimmern wundervoll in der Sonne. Das Wetter ist nach wie vor ein Träumchen. Hier und da, sobald die Nadelwälder ein paar Laubbäume in ihrer Mitte willkommen heissen, sieht man den goldenen Herbst, den Indian Summer. Die einzige Farbe, die noch fehlt, ist das satte rot, doch in einigen Tagen ist offizieller Herbstanfang. Würde man überall anhalten, würde diese Strecke (ca. 300 km) locker 2 Tage in Anspruch nehmen, denn schneller als 100 km/h ist eh nicht erlaubt.

Ca. 100 km vor Jasper ist das Columbia Icefield. 6 Gletscher, einer schöner, als der andere. Es sind noch 3h bis Feierabend, also schnell die dicke Jacke angezogen und auf zum Gletscher. Im Tal sind es ca. 15 Grad und Sonne, ca. 15 Minuten später, in einem 1,5 Mio. CAN$ teurem „snow coach“, dessen Motor als Bremse eingesetzt wird und der 6 fette Reifen, á 5000 CAN$, eingespannt hat, sind es nur noch -2 Grad.

Der Gletscher Athabasca (Talgletscher) ist einer der 6 Hauptzungen des Columbia-Eisfelds in den kanadischen Rocky Mountains und ist an sich ein sehr hübscher Gletscher. einer von denen, die das Wetter der Welt mitbestimmt, der die Luft da oben abkühlt, damit unsere Sommer nicht noch heißer werden. Leider wird er das nur noch ca. 40 Jahre machen können, denn er verschwindet um 12 Meter pro Jahr (in den letzten 125 Jahren sind 1,5 km von dem Baby geschmolzen!) und das ist äusserst übel. Leider teilt er das Schicksal mit allen Gletschern dieser Welt und das ist mehr als furchteinflößend, wenn man sich vor Augen führt, was das bedeutet. Das Wetter auf dem Gletscher kann innerhalb von wenigen Minuten komplett umschlagen: Während wir noch im Sonnenlicht unsere Bilder machen können und mit großen Augen und knallroten Nasen und Wangen, über 1000 Jahre altes Eis hüpfen, wird die nächste Gruppe 10 Minuten später, einen Schneesturm haben. Zur Wintersaison werden die snow coaches auf großen Trucks nach Banff zum überwintern gebracht, da es auf dem Gletscher bis zu -70 Grad Celsius werden kann. `n büschn zu kalt, um da ein paar Bilder zu machen oder nen Schneemann zu bauen.


Die zweite Attraktion ist der Glacier Skywalk. Mit dem Bus wird man 6 km zur Glas-Plattform gebracht, die 280 Meter über dem und 30 Meter ins Sunwapta-Tal so rumhängt. Für Menschen mit Höhenangst ist das sicher eine Herausforderung, da ich glücklicherweise nicht darunter leide, hopse ich auf den dicken Glasplatten rum, die glücklicherweise einige Megs aushalten können. Der Ausblick ist überwältigend! Man sieht einen Fluss, der sich in Millionen von Jahren seinen Weg durch den Canyon gesucht hat, die Sonne geht langsam hinter den Gletschern unter, es ist magisch. Fehlt noch ein Bär.

Es wird Zeit, zum Wagen zurückzukommen und die letzten 100 km in den Sonnenuntergang auf 360 Pferdchen zu reiten. Der Himmel wird immer schöner, die Täler sanfter, langsam zieht sich die Strecke, es sind Stunden seit Frühstück und Banane. Endlich Jasper. Jasper und keine Pocahontas Cabins. Jasper ist zu ende. Auf einem Parkplatz hinter der Stadt, steht ein Taxi. „Oh, you`re doing fine, hon, just 30 more minutes and you`ll see it on your right.“ Oha, 30 Minutes sind 54 km, Jasper Nationalpark ist um 20:30 Uhr noch wunderschön. 2 Baustellen mit roten Ampeln am Arsch der Welt. Ankunft 8:50 pm, es gibt auf den letzten Drücker noch köstliche Pilz-Ravioli, die Küche schließt um 9 pm. Die Bedienung ist herzallerliebst, der Koch gibt Gas, das Essen steht 10 Minuten später auf dem Tisch. So perfekt der Tag war, so unfassbar ätzend wird die Nacht in einer verlebten Cabin, mit dem unbequemsten Bett des Universums. Mit Kreuzschmerzen aus der Hölle, buche ich ein Upgrade und bekomme eine Deluxe Cabin, mit einem King-Size Bett aus dem Himmel. Die zwei kommenden Nächte schlafe ich wie ein gesäugtes Bären-Baby.

Frühstück und Abendessen sind jeweils traumhaft, das Wetter ebenfalls, also ab auf den Whistlers Mountain (2181 m) in einer Gondel. Ich wiederhole mich gerne: Die Aussicht ist traumhaft. Oben sind es allerdings -4 Grad, während im Tal leckere 16 Grad sind. Ich sehe ein kleines Murmeltier oder einen Verwandten, das sich ein buntes Kaugummi geschnappt hat und hoffe, dass seine Mama ihm gesagt hat, dass man es nicht schlucken darf, da sonst der Magen verklebt. Der Weg zwischen Jasper und den Cabins ist wunderschön und voll mit Tieren, die gerne den kompletten Verkehr blockieren und auf der Straße rumstehen. Auf dem Weg nach Jasper liegt ein majestätisches Caribou am See. Ich befürchte, dass es verletzt sein könnte, das es sich kaum bewegt, ausser den Kopf und sich von all den Menschen nicht beeindrucken lässt, die am Straßenrand anhalten und Bilder machen. Auf dem Rückweg, Stunden später, liegt er auf der anderen Straßenseite im Graben. Am nächsten Tag ist er verschwunden. Was für ein Leben!


Es wird Zeit, eine Ladung Wäsche zu waschen. Die Kanadier, die ich kenne, waschen sehr kurz. Also die Maschinen. Ein Waschgang dauert selten länger als 35-40 Minuten – was recht wenig zu den dt. 2,5h in Deutschland ist.

Nach einem köstlichen Frühstück mit French Toast mit frischen Beeren, wird es Zeit, nach Clearwater aufzubrechen. 318 km. 2 Tage im Walls Grey Provincial Park. Und nem Bärchen.


Bilder unter http://www.instagram.com/meggyver

On the road

Nach fast 6 wunderbaren Wochen auf einer relativ kleinen Insel, bereise ich nun seit knapp 1,5 Wochen ein Land, dessen Größe sich einem kaum erschliessen mag.  Ein Land, in dem das Wetter jederzeit umschlagen kann, während eines einzigen Tages, so dass man am besten im Zwiebel-Look reist und wenn das Wetter nicht genehm ist, einfach ein paar Stunden wartet. Weckt einen morgens der Regen und sinkt die Temperatur nachts unter 5 Grad, kann der Tag immer noch problemlos über 20 Grad warm werden.

In Vancouver, wo ich mir die Stadt aus der Luft ansehen konnte, indem ich einen Rundflug mit über den Hafen und die Stadt, bis Horseshoe Bay, dem Fähren-Terminal nach Vancouver Islands, buchte, startet die 3-wöchtige Rundreise. Bei traumhaften Wetter, war das ein besonders tolles Erlebnis. Das Hotel ist direkt am Canada Center mit einem wunderschönen Blick aufs Wasser und die Kräne des Hafens, in dem auch große Cruiser und Container-Schiffe anlegen. In der Tiefgarage die Autovermietung. Bevor die Reise startet, treffe ich nochmal Mo, meine 2. AirBNB-Gastgeberin und nun eine liebenswerte Freundin. Sie kommt auf ihrer FXR angedüst, eine Blondine mit tiefem Ausschnitt und high heels. Es wird ein schöner Abend im „The Flying Pig“ in Gastown, sie gibt viele Tipps, sie will mich mit Zelt, Schlafsack und ihrem alten Jimmy-Truck ausstatten, ich kann sie davon überzeugen, dass ich beim nächsten Mal gerne auf ihr Angebot zurückkommen werde. Nochmal die Suspension-Bridge im Lynn Valley Park besucht und darüber gestaunt, wie sehr sich die Natur in den 6 Wochen, seit dem letzten Besuch, verändert hat. Leider war der Park sehr überfüllt, weshalb die Reise fortgesetzt wurde. Zumal an dem Tag das lange WE zu ende ging und der Verkehr zunahm, glücklicherweise eher in die Stadt rein.

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Die erste Etappe ist relativ kurz und führt nach Merritt, ein relativ wenig ansehnliches Nest in einem Tal, die meisten Gäste sind auf der Durchreise, doch auf dieser Reise gilt: Der Weg ist das Ziel und der Weg nach Merritt ist wunderschön. Das Wetter ist traumhaft, der SUV gleitet über die Straßen, ich kann mich kaum satt sehen an den Farben, den Seen, den Bäumen, Tälern, Bergen. Jedes Mal, wenn ich in den Rückspiegel sehe, ertappe ich mich dabei, dass ich grinse und die Fältchen um die Augen, die Grübchen in den Wangen werden tiefer. Und irgendwie auch hübscher.

Nach unzähligen Stopps, um die Welt zu bewundern, unter anderem an einem, kleinen See Kokanee Lachsen beim laichen zuzuschauen, während dieser knallrote Fisch, aus dem Wasser hüpft, ist es bereits dunkel bei der Ankunft im Quality Inn Merrit, schnell noch googlen, wo man essen kann. Die Unterkünfte, vor allem die „Inns“ erinnern mich immer an amerikanische Filme, die in solchen Etablissements gedreht werden und bei denen ich stets das Bedürfnis habe, den Helligkeits-Regler am Fernseher auf MAX zu drehen. Auch, wenn man alle Lampen einschaltet, ist es immer noch ein toller Ort für den ersten Sex, wenn man ein wenig scheu und schüchtern ist: Es bleibt dunkel.

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Am nächsten Tag geht es nach Revelstoke. Auf dem Weg dahin gibt es 2 Alternativen, eine führt an einem See entlang, ist auf der Karte lediglich ein weißer Strich. Um den Wagen mache ich mir keine Sorgen, der kann alles, also fällt die Entscheidung schnell. Die ersten 10 Kilometer sind noch asphaltiert und man kann ein wenig von dem See sehen. Die restlichen, fast 60 km, bewegt sich das Fahrzeug im Schnitt 20-30 km/h schnell, vom See ist durch die Bäume nichts zu sehen, es fängt an zu regnen, der Weg wird immer matschiger, auf den kleinen Brücken muß man mit den Reifen des Wagens exakt die beiden Balken treffen. Ich gehe einfach davon aus, dass diese Brücken mehr als 2,5 Tonnen Auto halten. Die Strecke zieht sich immens und zerrt an den Nerven. Da dieser Weg fast 2h kostet, ist es bereits dunkel bei der Ankunft in Revelstoke.

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Ein sehr niedlicher Ort in den Bergen, Ski-Gebiet mit einem großartigen Hotel (The Sutton Place Hotel), das erste Hotel, in dem ich so gut schlief, dass ich sogar den Bewertungsbogen ausfüllte, einem hot tub direkt ggü. vom Hotelzimmer, mit den tollsten Kissen und weichstem Douvet, die ich je um meinen Körper spüren durfte. Wie eingangs erwähnt, ist das Ziel der Reise, die Reise selbst, so auch hier tanke ich Benzin (70-85 Cent der Liter) und meinen lactosefreien Latte und dann geht es weiter.

Nach 6 Wochen reiner Bio-Qualität-Ernährung auf der Farm, versuche  ich in den ersten Tagen, bei gesunder Kost zu bleiben, frage nach „local“ Gemüse, halte am Straßenrand, wo Obst aus der Region verkauft wird. Leider ist das nicht immer einfach, wenn man spät in einem Motel eincheckt und dann nur noch der Burger-Laden aufhat. Dazu muss ich sagen, dass die meisten Burger (meidet man die bekannten Ketten), außerordentlich lecker sind und oftmals mehr Gemüse in Form von Salat, Tomaten und Gurken drauf haben, als 4 Whopper zusammen. Mein Körper dankt mir jedoch mit den üblichen Symptomen, wenn ich Zusatzstoffe zu mir nehme.

Auf dem Weg von Revelstoke nach Golden, wird es Zeit für ein Nationalpakr-Ticket fürs Auto. Auf dem Weg sehe ich alte Zedern – 300-550 Jahre alt – Vogelschutzgebiete, Wasserfälle. Die Kanadier und deren Besucher sind kein faules Volk. Das sieht man daran, dass die Wasserfälle nicht direkt neben dem Parkplatz sind, wie die Niagara Fälle, sondern man durchaus schon mal 2-6 km gehen muss. Manchmal steht das angeschlagen, wie weit die Strecke ist. Meistens nicht. Meine Pumpe kommt bei all diesen Stopps ganz schön außer Puste, erfreulicherweise habe ich keinen Muskelkater, weder in den Beinen, noch im Po – die Zeit auf der Farm hat doch was gebracht 🙂

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Golden. Es wird, die bisher lauteste und schlimmste Nacht, das Prestige Inn Golden – welch ein Name! – ist DIREKT am Hightway 1 – die ganze Nacht knattern dicke Trucks, mit Holz beladen, am Fenster entlang, nach dem Schließen des Fensters, wache ich schweißgebadet auf. In Golden gibt es ein Wolfsgehege, dort leben 9 Wölfe, die allesamt in Zoos geboren sind und somit nicht ausgewildert werden können. Die älteste Wölfin (Maya) ist 16 Jahre alt. Ein Wolf wird in freier Wildbahn 3-6 Jahre alt. Maya ist der älteste, in Gefangenschaft lebende Wolf. In Kanada gibt es derzeit ca. 40.000 Wölfe, was eine gesunde Population ist. Der Wolf hat, außer dem Menschen, keinen Fress-Fein. Wölfe sind Allesfresser, allerdings sind sie sehr faul, deshalb jagen sie sehr effektiv, indem sie sich auf alte und kranke Tiere konzentrierten und somit dafür sorgen, dass auch andere Populationen gesund bleiben. Die Wölfe werden zu Lehrzwecken gehalten, der Park erhält sich durch Spenden. Roadkill  wird auch gerne genommen (es werden nur tote Tiere gefüttert), dies muss der Park allerdings auch bezahlen. Für einen überfahrenen Elch, zahlen sie 250 Dollar, der reicht für 5 Tage, Wölfe essen nicht täglich, sondern hauen sich die Wampe voll, wenn das Essen da ist.

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Der Weg von Golden nach Field führt durch die British Columbia Mountains. Eine wundervolle Strecke mit dem Ziel: Emerald Lake und der Emerald Lake Lodge. Das erste Mal sehe ich eine Kulisse, wie ich sie nur aus Katalogen kenne: Die goldenen Bäume am Ufer eines stillen, türkisen Sees. Ich kann mich nicht satt sehen. Laufe ein Stück um den See, der aus jedem Blickwinkel seine Farbe ein wenig ändert. Miete ein Kanu und dann wird es still. Sehr still auf dem Wasser. Es ist fast mystisch. In dem See selbst ist kaum Leben, keine Fische. Das Wasser der Gletscher führt „rock flour“ mit runter und ist so undurchsichtig, dass keine Sonne durchscheinen und Leben ermöglichen kann. Das Zimmer hat einen Blick auf den See und einen Kamin, den man nur noch anzünden muss. Als ich morgens aufwache, sehe ich den See vom Bett aus, ziehe mir die Decke unters Kinn und geniesse.

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Auf der Weiterfahrt ein Halt an einer natürlichen Brücke. Das Wasser führt derzeit unter der Brücke, bedingt durch den ungewohnt heissen Sommer in Alberta, während der Schneeschmelze, wird man von der Brücke nichts mehr sehen können. Dann noch ein Halt an den Takakkaw Wasserfällen mit einem göttlichen Blick bei schönsten Sonnenschein. Lake Louise muss man auch gesehen haben, ein wunderschöner See, leider zu der Zeit unfassbar überlaufen und nach meiner Meinung, ein wenig übertrieben angepriesen, denn ich sah andere türkise Seen, die viel schöner sind.

Banff ist die nächste Station und erstmalig mit 2 Übernachtungen. Das Wetter ist nach wie vor grandios. Ich trage Flip Flops, wie ich das schon seit fast 8 Wochen mache und staune darüber, wo man überall Hornhaut an den Mauken entwickeln kann und wie muskulös die Füße werden, wie stark die Bänder und Sehnen, wenn man diese Werkzeuge täglich sehr aktiv nutzt. Doch versteht mich nicht falsch, ich bin kein Sportler.

Banff ist der östlichste Ort der Rundreise und einer der schönsten bisher. Die Aspen Banff Lodge direkt an der Banff Avenue, an dem Tag ist die Hölle los, alle Hotels sind ausgebucht, am Tag darauf ist der Banff Ironman. Der Tag ist perfekt für einen Ausflug zum Sessellift, ab, auf den Mount Norquay – auf 2090 Metern, kommt der Sessellift an. Der Anblick: Atemberaubend. Keine einzige Wolke am strahlend blauen Himmel.

Am nächsten Tag ist das Wetter weiterhin so traumhaft, so dass die Entscheidung für die Gondel, rauf auf den Mount Sulphur, fällt. Dort oben ist eine Wetterstation, ein schöner Skywalk führt dahin, man hat eine grandiose Sicht auf Banff und auf andere, riesige Berge. Von dort kann man auch den Minnewanka See sehen, die Fahrt dahin ist sehr schön und der See selbst ist – meiner Meinung nach – schöner als Louise. Im Winter friert er bis zu 90 cm dick zu. An dem See wurde 1988 erstmalig der Versuch eines kontrollierten Waldbrandes unternommen. Leider geriet dieser außer Kontrolle und vernichtete 21 km Wald, der sich bis heute nicht davon erholte, den man legte das Feuer ganz unten, durch die Dichte des Waldes wurde der Boden 1000 Grad heiß und vernichtete alles an Leben. Der Wald auf der anderen Seite des Sees sieht auf den ersten Blick sehr dicht, üppig und grün aus. Leider ist er das nicht. Monokultur. Dadurch bedingt, kaum Leben im Wald.

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Falls auf der Straße vor einem plötzlich alle bremsen, rechts ranfahren und aus den Autos hüpfen, heisst das nicht, dass sie alle pinkeln müssen, sondern dass Tiere zu sehen sind, was in einem Nationalpark sehr oft vorkommt. Big horn sheep, Karibu, deer, chipmunks. Bisher nur ein Elch in der Ferne, der die Straße überquert. Kein Bär. Kein Wolf in freier Wildbahn.

Stay tuned for Jasper :

Bilder unter http://www.instagram.com/meggyver

Endspurt

Morgen beginnt meine letzte Woche auf der Farm. Heute ist Sonntag, ein Tag, an dem ich frei habe. Zoe, 11 Jahre alt, die gerade zu Besuch ist und schätzungsweise 14h am Tag mit dem Pferd verbringt, weckt mich zu duftenden Pfannkuchen. Der Herr des Hauses hat Dire Straits aufgelegt und hantiert in der Küche. Wir lachen und sprechen über die Pferde-Filme, die wir den Abend zuvor mit Zoe geschaut haben, die sich auf dem Sofa zwischen Mimi und mich kuschelte. Als die Protagonistin im Film wieder mal in Tränen ausbricht, ob einer rührenden Szene, sagt Zoe trocken „She cries pretty easily, eh?“, worauf sich Mimi und ich, verstohlen die Tränen vom Gesicht wischen und dann in lautes Gelächter ausbrechen.

Heute ist mein letzter Sonntag auf der Farm. Nachdem ich morgens ein paar Nachrichten gelesen habe, bringe ich Mimi auf den neuesten Stand zum Thema Heimatvertriebene in Deutschland und was in den letzten 24h so passiert ist, denn leider kommt hier in den Nachrichten nichts davon an. Mimi ist vor 59 Jahren in den Niederlanden geboren und im Alter von 5 Jahren mit ihrer Familie nach Kanada ausgewandert. Sie interessiert sich sehr dafür, was in der Welt geschieht, vor allem im alten Europa und sie ist sehr entsetzt, was in Deutschland passiert. Ich erzähle ihr von einer Freundin, die eine Patenschaft für eine Familie übernommen hat, von Bekannten, die sich engagieren, indem sie spenden, die Spenden sortieren und dabei helfen, dass einige Menschen ein wenig mehr Mensch sein können. Mimi möchte helfen. Sie fragt, ob es mir was bringen würde, wenn sie mit ihrer Kirche Geld sammeln würde. Sie würden gerne selbst hergestellte Produkte, überwiegend First Nations People, also Menschen, die selbst von ihrem Land vertrieben wurden und mehr oder weniger geduldet wurden, als der „weiße Mann“ seinen Weg hierher fand, herstellen und verkaufen. Sie bittet mich, sie auf dem Laufenden zu halten, wenn ich wieder in Deutschland bin und herausgefunden habe, wie ich helfen kann.

Diese Woche stand ganz im Zeichen der Nahrungsbeschaffung für die Tiere. Heu ist nach wie vor extrem knapp. Alberta, der Staat, der normalerweise aushelfen kann, leidet unter Feuer und eine Trockenperiode, der Notstand wurde bereits in der Hinsicht ausgerufen. Ich bin letzte Woche zu Dorothy gefahren, die uns für 12,50 CAN$ der Ballen, etwas Heu verkaufen konnte, weil sie und Mimi Freunde sind. Dorothy und ich hievten die Ballen auf den kleinen Truck und ich fuhr mit den begleitenden Worten los: „Just pretend, you’re having your old grandma in the wheelchair in the back, honey and don’t speed.“ Sicherung? Gravitation. 🙂 Ich habe nichts von der kostbaren Fracht verloren. Doch das ist nur die Spitze vom Eisberg, denn auch, wenn sich Mimi, Ende September, von der Hälfte ihres vierhufigen Tierbestandes verabschieden wird, braucht sie mindestens 150 Ballen Heu für den Winter und die 12,50 sind heute schon gerne 17.

Das Geld, welches sie durch den Verkauf ihrer Produkte auf dem Markt verdient, geht direkt ins Futter für die Tiere. Auf dem Markt verkauft sie Obst und Gemüse, 12 verschiedene Sorten Knoblauch, selbst geschorene, gesponnene und gefärbte Wolle, Bio-Lamm.

Seit Freitag regnet es endlich. Erst ein bisschen und zögerlich, in der Nacht von Freitag auf Samstag dann so richtig und den gesamten Samstag lang. Unsere Tanks, die seit 1,5 Wochen im absolut roten Bereich Alarm schlagen, sind endlich wieder auf grün gesprungen und ich habe mir heute eine ausgiebige Dusche, inkl. Haarwäsche, Rasur und Pflege gegönnt. Meiner Haut geht es sehr gut, den Haaren ebenfalls, durch die Naturlocken, sehe ich jedoch nach 4 Tagen ohne Wasser oder Bürste aus, wie Ronja Räubertochter und die Kopfhaut juckt ein wenig, Mimi wäscht ihre langen Haare 1x im Monat und sie sehen wundervoll aus.

Jeden Morgen um 9 Uhr ziehe ich meine derben Schuhe an und gehe los. Ich öffne den Hühnerstall, füttere die Hühner, sorge für frisches Wasser, mopse ihnen dafür die Eier. Dann schnappe ich mir einen Eimer mit Körnern, die Schafe, Alpaka, Ziegen und Pferd, sind verrückt danach und ein paar „Scheiben“ Heu und begebe mich auf meine Runde, die knapp 3,5 km lang ist. Ich lasse die ersten Schafe raus, gebe ihnen etwas Heu & Körner, checke das Wasser und öffne ihnen das Tor zum Gras (welches nur dann da ist, wenn es geregnet hat, dann gibt es auch kein Heu.) Während ich das mache, versuche ich mir beide Ziegen vom Leib, Eimer und Heu zu halten, die echt frech und nervig sind. Dann füttere ich diese, dann das Pferd und gehe dann zum nächsten Feld, wo Charlie, das Alpaka mit 4 weiteren Schafen lebt. Füttern, tränken, Tore öffnen, Tore schliessen, Tiere damit so umleiten, dass sie immer dahin gehen, wo Gras ist und sich das Gras auf anderen Wiesen erholen kann.

Dann gehe ich zu den Nachbarn und versorge dort die letzten 3 Schafe, die im Sommer dauerhaft dorthin als Rasenmäher ausgeliehen sind. Wenn ich wieder zuhause bin, bin ich schweißgebadet und gehe dann den Garten wässern, was ca. 30-40 Minuten dauert. Dann beschäftige ich mich noch ein wenig mit den Entenküken. Das Ganze mache ich morgens um 9 Uhr und abends um 18 Uhr.

In der Zwischenzeit gibt es immer etwas zu tun. Pflaumen, Äpfel, Birnen, Feigen pflücken, Wein lesen. Basilikum ernten und Pesto für den Markt herstellen, Heute werden wir Salsa machen für den Winter. Die halbe Küche ist voll mit Tomaten. Mimi könnte sich problemlos bis zu 2 Monaten selbst versorgen, würde sie auf Milchprodukte verzichten. Als sie  noch die Ziegen gemolken hat, hatte sie sogar Milch und Käse.

Ich hoffe, dass ich kommende Woche noch die Gelegenheit haben werde, einige Male in meinem Lieblingssse zu schwimmen, bevor es nach Vancouver geht und von dort aus noch 3 Wochen durch Alberta und BC.

Man kann den Herbst schon fast riechen.

Halbzeit

In meinem Alter fällt es mir schwer zu behaupten, dass einige meiner Entscheidungen die besten meines Lebens waren, da ich vorhabe, mindestens nochmal so lange zu leben, wie ich bereits lebe und am liebsten noch ca. 20 Jahre bei guter Gesundheit drauflegen würde.

Dennoch möchte ich behaupten, dass die Reise nach Kanada zu einer meiner besten Ideen gehört und ich sehr dankbar bin, in der glücklichen Lage zu sein, so etwas machen zu dürfen und zu können.

Heute ist Halbzeit, seit 35 Tagen bin ich in Kanada. Und das Beste an der Geschichte: Ich habe nochmal 35 Tage vor mir. Wenn ich nur daran denke, wieviel ich in den 5 Wochen gelernt habe, wie sehr es meinen Horizont erweitert hat und mich zu einem etwas besseren Menschen  gemacht hat, indem es meine Sicht auf die natürlichen Ressourcen der Erde geschärft hat, auf Gewohnheiten zuhause indirekt hingewiesen hat, die ich sehr leicht ändern kann, ohne, dass mir ein Zacken aus der Krone fällt.

Das letzte Mal, dass ich in einer Gesellschaft lebte, die alles zu schätzen weiß, was sie hat, wenig bis gar nichts wegwirft und unfassbar erfinderisch in ihrer Not ist, was in meiner Kindheit in Polen.

Einige Leser „bewundern“ mich dafür, dass ich mit der Wasserknappheit klarkomme, womit ich recht schlecht klarkäme, verschwendete ich einige Gedanken mehr daran. Ich bade extrem selten bis nie (2x/Jahr), dusche dafür umso lieber und weiß meine begehbare, komfortable Dusche zuhause zu schätzen, allerdings drehe ich während des Duschvorgangs das Wasser immer ab, wenn ich die Haare einschäume, mich rasiere oder selbst einschäume, ich lasse niemals das Wasser laufen, während ich mir die Zähne putze oder grundsätzlich, nur, weil es da ist. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich hier jeden Tag in einem wunderschönen See schwimmen kann, da wir einen tollen Sommer haben,  der wiederum für die Wasserknappheit sorgt und schon haben wir einen Kreislauf und man muss das Beste daraus machen.

Ich bin die Hälfte meiner Kindheit ohne fliessendes Wasser ausgekommen und musste raus aufs Plumpsklo, sobald meine Eltern es leid waren, mit dem Nachttopf zu laufen – und sie waren in der Hinsicht sehr schnell ungeduldig 😉 – kenne Nächte und Tage ohne Strom und verstrahltes Essen. Hier habe  ich wenigstens einen See und ein Klo.

Ich werde noch zwei Wochen auf der Farm bleiben und muss gestehen, dass es mir jetzt schon vor dem Abschied graut. Ich habe das Glück, dass ich hier aufgenommen wurde, als wäre ich eine Freundin, die zu Besuch kommt, es gab von Anfang an keine Berührungsängste, keine Sprachbarriere, wir profitieren voneinander, ich koche und backe, wenn mir der Sinn danach steht, einige Gerichte habe ich, auf besonderen Wunsch, bereits mehrmals zubereitet. Ich habe seit 4 Wochen keine Konservierungsmittel, Zusatzstoffe, etc. zu mir genommen und habe festgestellt, dass es meinem Bauch hervorragend geht. Das werde ich auf der 3-wöchigen Reise durch Alberta (es schneit in Jasper) und British Columbia vermissen.

Die Kanadier, die ich bisher kennengelernt habe, sind sehr stolz auf ihr Land, auf eine unfassbar berührende Art und Weise, denn auch, wenn sie politisch sehr interessiert sind, sie sind in ihrer Art viel mehr sozial interessiert und auch involviert. Jeder bekleidet mindestens ein Ehrenamt, man kümmert sich um Menschen in der Gemeinde, die es nicht so gut getroffen haben oder nur ein wenig schlechter, als man selbst. Man besucht sich gegenseitig, ohne vorher große Termine zu vereinbaren und es ist immer gerade zufällig ein Pie im Ofen oder wird schnell ein Crumble zubereitet. Wir verbrachten schon Stunden bei Leuten, denen wir einen Zaun reparierten, Obst von den Bäumen holten, das Zimmer bunter strichen, einen Kuchen brachten oder einfach nur etwas Zeit. Vielleicht mag es auch daran liegen, dass auf der Insel ca. 2,5 K Leute leben und man sich kennt. Ebenfalls glaubt man hier an Träume, an Visionen und es ist unheimlich inspirierend, alten Old Nations People dabei zuzuhören, was sie über ihre Vorfahren zu erzählen haben.

Nachbarschaftshilfe wird nicht nur groß geschrieben, sondern auch gelebt. Ob es die Schafe sind, die ausgebüchst sind und die einer der Nachbarn wieder einfängt, ob es eine „potluck“-Party ist, zu der jeder was mitbringt, ein Baum, der gefällt werden muss, ein Zaun, der repariert werden muss oder ein Tier, das erschossen werden muss. Und das passiert alles innerhalb von Stunden, nicht erst nach wochenlanger Terminvereinbarung. Man gibt, ohne ein Buch darüber zu führen. Obst, Gemüse, die Hilfe der Hände oder Zeit.

Ich kenne „Freunde“ von Freunden, die Geld dafür nehmen, ein paar Nägel in die Wand zu hauen.

Gestern habe ich mir ein Grundstück an meinem Lieblingssee angeschaut. Ich habe das Haus bereits visioniert, den Steg direkt ins Wasser, mein Kanu, welches sanft im Wasser wiegt. Eine Stunde saß ich da und zerbrach mir den Kopf darüber, wie ich ein Leben hier wahr machen lassen könnte.  Leider bin ich nicht fertig geworden, eines weiß ich jedoch:

Meine Wurzeln sind unfassbar kurz.

  

Grenzen

Meine Mama pflegt zu sagen, ich müsse ja ein unfassbar unreines Gewissen haben, so schreckhaft, wie ich bin. Ich kann sie beruhigen, mein Gewissen liegt, zufrieden schlummernd, im Bettchen aus entspanntem Unterbewusstsein, doch in der Tat, bin ich ein sehr schreckthafter Mensch, was im Vorfeld meiner Reise von einigen, die das bei mir kennen, für Heiterkeit sorgte. Auch wenn ich weiß & mitbekomme, dass jemand hinter mir steht, erschrecke ich, wenn ich mich umdrehe. Meine Augen sind schlecht, dafür ist mein Gehör umso besser, weshalb ich nicht nur Ameisen furzen und Flöhe husten hören kann, sondern auch wegen jedem Geräusch meines Wagens zur Werkstatt fahre (4 Jahre Rundum-Sorglos-Paket) und erst dann wieder abdüse,wenn nur noch das Sportfahrwerk brummt.

Jetzt lebe ich Mitten im Wald. MITTEN im Wald. Wild, Bären, Wölfe, Pumas, Waschbären, Vögel, Ziegen, Pferde, Hühner, Enten, Schafe, etc.

Ich gehe ungern in Seen schwimmen, wenn ich den Grund nicht sehen kann und nicht weiß, was für Kawenzmänner an Fischen darin schwimmen. Seit 3 Wochen schwimme ich täglich eine Stunde im schönsten See, dem Village Bay Lake auf Quadra Island, weil das auch andere Leute tun, die ich mag und denen ich vertraue.

Ich fasse ALLE Tiere an und habe keine Berührungsängste, weil Mimi mir gezeigt hat, wie das geht. Ich greife blind in den Hühnerstall und sammle Eier ein, ohne darüber nachzudenken, was ich da anfasse.

Ich streichele Katzen auf meinem Schoss, lerne jeden Tag mindestens einen riesengroßen Hund kennen. Sogar das Pferd führe ich alleine auf die Koppel, ohne mir ins Hemd zu machen, obwohl ich einen großen Respekt vor Piffany habe.

Ich habe einen Fisch ausgenommen, ohne zu erbrechen, was jedoch eine große Überwindung war, weshalb ich nur einen von zehn bearbeitet habe.

Hiero, den belgischen Schäferhund, nehme ich überall mit und er gibt mir Sicherheit, auch wenn ich die gesamte Kraft, von der ich eine Menge habe, aufbringen muss, damit er mich nicht von den Füßen reisst, wenn er einen Waschbären gerochen hat.

Schafe habe ich mit meinem gesamten Körpereinsatz gehalten, als ich sie scheren musste und flüsterte andauernd Entschuldigungen, falls ich sie verletzte. Ich schwitzte dabei literweise, stressbedingt und weil es eine verdammt schwierige Geschichte ist, wenn man ein warmes, pulsierendes Lebewesen unter sich hat, das man nicht verletzen möchte.

Ich sehe abends nicht sehr hübsch aus: Meine Hände und Füße sind schmutzig, die Haare strohig vom Schwitzen, die Kleidung mit einigen Löchern von Zäunen versehen und schmutzig, überall Kratzer von Sträuchern und Bäumen, von der Gartenarbeit.

Im Dreck zu wühlen, um Kartoffel zu ernten und Käfer auf der Haut zu spüren, kostet mich Überwindung, denn Handschuhe gibt es hier nicht. In einen Bottich mit Fischabfällen zu greifen, um etwas für den Hund rauszusuchen, kostet mich Überwindung. In einen See zu hüpfen, den ich nicht kenne, kostet mich Überwindung. Durch Gehege voller Tierkacke zu laufen, kostet mich (immer weniger) Überwindung.

Heute morgen entfernte ich die Reste eines Vogels und einer Maus aus dem Wohnzimmer, Ohne vorher zu würgen. Hiero und ich sind heute ganz alleine auf der Farm. Er schläft gerade, nachdem ich ihm ca. 50x den Stock geworfen habe und ich habe soeben wild hopsend das Tal zusammengebrüllt, als eben ein Termit in meinen Ausschnitt flog.

Vieles von dem Beschriebenen, ist für die meisten Menschen total normal. Ich schwitze nicht gerne und mache mich nicht gerne schmutzig, pflege mich und lege Wert darauf, dass ich nett dufte.
Zum Glück, hat sich bisher kein Tier beschwert, vielleicht habe ich sogar deshalb eine Schnitte bei ihnen.

Freundschaften

Seit der ersten Blutsbrüderschaft in der Kindheit, kann ich mich nicht entsinnen, „DIE EINE“ beste Freundin oder den einen besten Freund gehabt zu haben, auch habe ich nie den Wunsch verspürt, mich einem einzigen Geheimnisträger anzuvertrauen oder mich gänzlich zu offenbaren. Bisweilen ergeht es mir auch im hohen, metusalemischen Alter, dass ich mir selbst ein wenig zu viel werde und mit dem Sortieren meiner Gedanken und Fragen an diese Welt, nicht nachkomme.

Freundschaften verändern sich, weil sich die jeweiligen Menschen, die ihnen angehören, verändern – glücklicherweise. Einige der Wege, die beschritten werden, geht man gemeinsam, man packt unterschiedliche Wünsche in den Rucksack, zieht unterschiedlich große Schuhe an und füllt die Trinkbecher mit Erwartungen. Auf dem gemeinsamen Weg stellt sich heraus, dass man gerne an einigen Stellen länger verweilen würde oder sich für die ein oder andere Station so gar nicht begeistern kann. Man liest unterschiedliche Reiseführer und hält ggf. öfter an, um nach dem Weg zu fragen, während die anderen unbeirrt weiterlaufen. Dann findet der eine den Platz, an dem er bleiben möchte, während der andere nach wie vor eine Reiselust in sich spürt. Der eine schimpft über eine Kultur, während ich der andere geradezu in die verliebt. Man wird ausgeschlossen, weil einige gesellschaftliche Aspekte nicht mehr passen.

Man trifft andere Reisende.

Als ich für 10 Wochen nach Kanada aufbrach, war mir sehr bewusst, dass einer der Aspekte und Treiber für diese Entscheidung, meine Freundschaften zu den unterschiedlichsten Menschen sind und deren Verläufe in den letzten Jahren, die Veränderungen der – ehemals gemeinsamen – Reiserouten und die Erwartungen: An die Freundschaft selbst und meine Person. Erwartungen, die nie ausgesprochen wurden, sondern sich ergaben, dadurch, dass Freunde Eltern wurden und sich ihre Prioritäten verständlicherweise veränderten. Dadurch, dass sie selbst eine Veränderung in ihrem Leben gemeistert haben, von der ich ausgeschlossen war. Dadurch, dass ich nicht mehr gewillt war, den Weg nachzulaufen, den meine Freunde vorgegangen sind, weil ich gerne abbiegen wollte, verweilen wollte oder schlichtweg müde wurde, immer wieder die gleichen Bilder zu sehen.

Menschen, die mit einem „Ich hoffe, Dir geht es gut“ – bewusst ohne ? ihre „Pflicht“ erledigen, aber die Erwartungshaltung an den Tag legen, man müsse hellseherisch ihre Gedanken lesen, sie bemitleiden und betüddeln. In Maßen, aber ernsthaft: Wir sind Freunde, das unterscheidet uns von einem Wildfremden Menschen, nämlich dass wir einander sagen können sollten, was Sache ist.

Ich halte nach wie vor Kontakt zu meinen Freunden in Deutschland, indem ich blogge, meine Erlebnisse bei FB oder bei Twitter zeige und die unterschiedlichen Reaktionen der unterschiedlichen Menschen aufnehme.

Die Kommunikation verläuft ein wenig einseitig und das ist auch gewollt, da ich mich – zum einen – nicht in lange Dialoge verstricken kann, da ich arbeite, entdecke und meistens ohne Netz bin und zum anderen ggf. später, wenn ich zuhause bin, auch noch etwas zu erzählen haben möchte.

Es ist jedoch, wie ich es erwartet und auch erhofft habe: Durch die minimale Kommunikation, ist das Bewusstsein fürs Vermissen geschärfter.

Die Menschen, an die als erstes denke, wenn ich etwas ganz Besonderes erlebe, die sind es. Nicht die, die mir auch noch in der Ferne das ewig gleiche Leid klagen, ohne, dass sie gewillt sind, etwas zu ändern und/oder in er Lage, Rücksicht auf mich, meine Auszeit, mein Leben und unsere Freundschaft zu nehmen.  Oder das, was sie als solche erachten.

Ich habe sehr wenigen Menschen bisher den Rücken gekehrt, da ich irgendwann zu dem Punkt gelangte, an dem die Balance nicht mehr herstellbar war. Sicher, es geht nicht um das verrechnen von Gefallen und vom Schweigen, doch wenn das Gleichgewicht aus dem Ruder läuft, muss man handeln. Die Wertigkeit analysieren. Das klingt sehr kalt und wissenschaftlich, dabei ist es wesentlich einfacher: Im Grunde des Herzens wissen wir bereits, ob wir kämpfen werden und wollen, oder ob sich der ursprünglich gemeinsame Weg, zu sehr voneinander abgezweigt hat.

Ich bin seit 4 Wochen in Kanada, die Zeit rast. Ich bin nicht länger gewillt, sie mit Menschen zu teilen, die nicht in der Lage sind, eine ausgewogene und gleichberechtigte Freundschaft zu führen.
Man sollte sich viel häufiger die/der Frage stellen, was man vermisst, wenn ein bestimmter Mensch nicht greifbar ist

Alltag

Auch Urlaub, vor allem, wenn er länger andauert, als der übliche Ballermann-Urlaub, kann einen Alltag entwickeln, der besonderen, festgelegten Abläufen folgt, vor allem, wenn man auf einer Farm lebt.

Um 8 Uhr klingelt mein Wecker, den ich in der Regel nicht brauche, da ich mehr erholsamen Schlaf bekomme, als ich es gewohnt bin. Wir frühstücken meist zusammen auf der Terrasse, geniessen den Ausblick, überlegen, was wir den Tag über so machen werden. Dann gehe ich meine Runde, um die Tiere zu füttern. Ich lasse die Hühner raus, schaue bei den Enten-Babies vorbei, zähle sie durch und hoffe, dass noch alle da sind. Heute sind sie eine Woche alt. Von ursprünglich 16 sind noch 13 da. Das ist zwar grausam, für mich jedoch mittlerweile mehr als nachvollziehbar, dass hier „survival of the fittest“ an der Tagesordnung steht. Mimi würde eh nicht  alle behalten können, glücklicherweise gibt es bereits einige Abnehmer.

Dann geht es weiter zu den Schafen, Ziegen, zum Pferd und zu dem Alpaka. Alle füttern, prüfen, ob sie genug sauberes Wasser haben, alle Tore und Türen wieder richtig verschliessen, da sie zum einen dafür sorgen, dass die Tiere bleiben, wo Mimi sie haben möchte und wo genügend Gras ist, aber auch zum Schutz vor Cougars und Wölfen. Wenn ich mit den Tieren fertig bin, widme ich mich dem Garten, den es zu wässern gilt. 60-80% der täglichen Nahrung, die wir zu uns nehmen, kommt aus dem Garten: Salat, Bohnen, Erbsen, Zucchini, Squash, Tomaten, Mais, Gurken, Kartoffeln, aber auch Kräuter für Pesto, Feigen, Pflaumen, Äpfel und Birnen.

Heute regnet es endlich mehr, so dass die Süßwasser-Tanks aufgefüllt werden können, der Regen die Wässerung für mich übernimmt und wir etwas aufatmen können, was die Versorgung der Tiere mit frischem Futter angeht, denn Heu ist unfassbar teuer und leider auch von schlechter Qualität.

Das Haus verfügt über 2 Tanks mit einer Gesamtkapazität von 13.000 Litern.

Soviel zu den Tieren, wobei sich, im Großen und Ganzen, am Ende des Tages alles um sie dreht. Wir reparieren Zäune, besorgen Futter, bauen die Tore um, um die Tiere besser auf die Teile der Farm zu lotsen, wo das Gras noch grün ist. Wir scheren Schafe (Scotswood) und Mimi verarbeitet die Wolle. Ein Alpaka, zum Beispiel, wir max. alle 2 Jahre geschoren, weshalb seine Wolle so teuer ist. Außerdem ist ein Alpaka ein großer Heu- und Kornfresser, so dass man abwägen muss, ob sich die Haltung lohnt.

Diese Woche haben wir Müll weggebracht. Quadra Island ist zwar keine große Insel, der Müllwagen kommt jedoch nicht überall hin, so dass man 2 Möglichkeiten hat:

1. Man bringt den Müll zu einer Sammelstelle und zahlt für einen Beutel 7 CAN$ oder man bringt den Müll selbst nach Campbell River zur Müllumladestation (liegt auf Vancouver Island), nimmt den Müll der Nachbarn gleich mit und zahlt 120 CAN$ für eine Tonne. Wir hatten 30 kg Müll nd zahlten 10 CAN$. VIel Müll kommt hier nicht zusammen, da nicht viel eingekauft wird, Behälter von Joghurt oft wiederverwendet werden, der Rest ist Kompost. Man hat also Müll und Recycling. Der Kanadier kauft in der Regel auch kein Mineralwasser in Flaschen, das finden sie alle sonderbar, wenn sie mal in Europa waren. Jeder hat in der Küche einen Anschluss für Trinkwasser, welches aus einem separaten Kran gefiltert raus kommt.

Seit 10 Tagen bin ich auf der Farm und habe bereits unfassbar viel über Tiere gelernt. Obwohl auf einem Bauernhof aufgewachsen, habe ich mich als Kind nie groß dafür interessiert. Ich habe es genossen und davon profitiert, die viele Arbeit dahinter nicht wahrgenommen oder richtig bewertet.

Ich mache mir bereits jetzt Gedanken, wie ich meinen Konsum zuhause so gestalte, dass es so nachhaltig wie möglich ist. Jegliches NICHT saisonale Gemüse und Obst schlichtweg nicht einkaufe, den Fleischkonsum reduziere, obwohl ich in der Hinsicht schon wesentlich besser unterwegs bin. Gestern gab es Hühnersuppe von einem glücklichen Huhn. Mit Fettaugen auf der Oberfläche und einem sensationellen Geschmack. Wie damals, bei Oma und Opa, bei denen ich nach dem Schlachten oftmals ein kopfloses Huhn einfangen musste, nachdem es stiften gegangen ist und wo ein Teller Suppe einen sehr satt gemacht hat.

Ich weigere mich nach wie vor, Milch, Joghurt, Käse, etc. ohne Fett zu kaufen, da ich den Sinn darin schlichtweg nicht sehe, trinke ich doch die Milch, weil ich den Geschmack möchte. Ich hatte hier die Möglichkeit, Milch direkt von der Kuh zu trinken. Also nicht warm und direkt aus dem Euter, aber eine unbehandelte und in kalt. Oh my … Trotz Laktoseintoleranz gewann die Neugierde und der Geschmack war schlichtweg toll!

Täglich lerne ich neue Menschen kennen, die allesamt sehr nett, interessiert sind. Spannend, dass viele bereits in Deutschland waren, einen Verwandten haben oder gar selbst deutsch stämmig sind. Sie zeigen ein sehr angenehmes Interesse an meiner Herkunft, meinen Reiseplänen, fragen jedoch auch sehr sorgenvoll, nach der aktuellen Situation im Hinblick auf die rechte Szene. Ich lerne auch viel über die Haltung von Kanadiern ggü. der First Nations People (so werden hier die Indianer genannt, nämlich auf gar keinen Fall Indianer). Auch hier zeigen sich Parallelen zur Einstellung der rechten Szene ggü. Ausländern und Flüchtlingen: Je ungebildeter der Mensch, desto lemminghafter, vorurteilsbehafteter und radikaler ggü. der (angeblichen) Minderheit. FNP (First Nations People) leben nach wie vor überwiegend in Reservaten, man sagt, angeblich auf eigenen Wunsch hin, um den Traditionen ungestört nachgehen zu können. Sie haben Zugang zur kostenlosen Bildung und Krankenversicherung und erfahren einige andere „Annehmlichkeiten“. Das ist  einigen ein Dorn im Auge. Nimmt man sich jedoch ein wenig Zeit, um in der Geschichte zu stöbern, ist das – meiner Meinung nach – das Mindeste. Doch Rassisten gibt es überall auf der Welt. Leider.

Ich lese derzeit keine Weltnachrichten. Bin allen Seiten entfolgt, die etwas mit meinem Job zu tun haben. Ich stöbere mich durch die, sehr üppige, Bibliothek des Hauses und feile an meinem Englisch, welches mir immer flüssiger von der Zunge geht. Oftmals sind wir abends eingeladen oder haben Besuch, so dass ich einen schönen Ausgleich zu den vielen Stunden habe, die ich – überwiegend – schweigsam mit den Tieren verbringe oder am See chille.

In 4 Wochen werde ich dieses unfassbar schöne Fleckchen Erde verlassen und ganz ehrlich, even if it sounds quite cheesy: Es graut mir davor, wieder in die „grosse“ Welt zu gehen und dieses Zuhause zu verlassen. Welch Glück, dass eine meiner herausstehenden Eigenschaften ist, das HIER und JETZT mehr geniessen zu können, als die Sorgen der Zukunft an sich zu lassen.

Bis bald. 🙂