Farmromantik.

Mein letztes, bewusstes Erlebnis auf einer Farm, bzw. einem Bauernhof, liegt weit zurück in der Kindheit. Ich erinnere mich allerdings auch an Ferien, die wir im Sommer in Campingwagen an der Weichsel verbrachten, die auf dem Gelände eines Bauernhofes lagen. Das Gemeinschafts-Badezimmer grenzte an den Kuhstall, im Bad selbst war die Melkmaschine. Um aufs Plumpsklo zu kommen, musste man stets ganz nahe an einen Kettenhund ran, der – wie man sich das unsschwer vorstellen kann – nicht gerade sehr freundlich war. Das könnte eine Erklärung für die Spontanverstopfung aller Kinder gewesen sein. 

Ich weiß auch noch, dass ich ein unschönes Erlebnis mit einem Ziegenbock hatte, der mich auf dem Horn hatte und ein wenig durch die Gegend gezogen hat. 

Und nun bin ich hier.

1 Alpaka, namens Charlie. 1 Pferd namens Piffany. 15 Schafe, davon 7 Lämmer. 2 Ziegen. 12 Hühner und 2 Hähne, seit heute 15 Baby-Enten und ihre Eltern, 3 Katzen und ein Belgischer Schäferhund namens Hiero, von Hieronymus. Außerdem ein Gemüsegarten mit Knoblauch, Zucchini, Salat, Tomaten, Kräutern, Gurken, Erbsen, Bohnen, Kartoffeln. Feigen-, Apfel-, Birnbäume

Das meiste wird verkauft, nichts wird verschwendet, wer allerdings glaubt, das man davon heutzutage leben kann, der irrt gewaltig, alles, was Mimi auf dem Markt verdient, muss sie wieder ins Futter investieren. Den größten Umsatz macht sie mit Knoblauch, von dem sie 8 verschiede Sorten anbaut und unter anderem auch die Samen verkauft. Dieses Jahr ist ein heißer Sommer in Britisch Columbia, das Wasser ist rar, somit auch das Gras für die Tiere. Heu bekommt man kaum noch und wenn, kostet ein Ballen gerade 20 CAN$, statt 7 CAN$, was absolut horrend ist. Die Milchbauern können ihre Kühe gerade nicht mehr ernähren, müssen ihr Heu aus anderen Bundesstaaten für unverschämtes Geld bestellen oder ihre Kühe schlachten, was wiederum die Milchpreise in die Höhe schnellen lässt.

Mimi wird alle Schafe verkaufen und nur die Lämmer behalten oder zum Schlachten weggeben müssen, ebenso die anderen, hauptsächlichen Heufresser. Auch wenn das Grundstück riesig ist, ist es unmöglich, alles zu wässern, dafür ist das Grundwasser bereits sehr stark zurückgegangen. Wasser ist knapp, wir duschen kurz, bzw. gehen täglich im See schwimmen. Das meiste Wasser geht für die Bewässerung des Gartens drauf. Auf dem Weg vom See halten wir täglich an Himbeer-Sträuchern an und schneiden welche für die Tiere ab. 

Und plötzlich ist es vorbei mit der Romantik des täglichen Streichel-Zoos, wenn es an die Exsistenz geht. Die meisten Insulaner, sind überwiegend Selbstversorger. Seit ich hier bin, habe ich zu 90% Nahrungsmittel aus eigener Herstellung zu mir genommen, mit Ausnahme von Milch und Käse oder Wurst. 

Es ist seltsam und es erdet zugleich, wenn Mimi mit einem ernsten Gesicht sagt, dass sie sich darum kümmern muss, ihren Tierbestand zu minimieren. Und sich eine Waffe zulegen muss, um die Waschbären loszuwerden, die hier gerade zu einer regelrechten Plage werden und Tiere und Pflanzen vernichten. 

Zu meinen täglichen Aufgaben, gehört die Fütterung der Tiere und das Wässern des Gartens. Auch sonst findet sich genug Arbeit, die gemacht werden muss. Ob wir eine Kiste für den Knoblauch zimmern, uns Verkaufsstrategien für den Wochenmarkt überlegen, das Studio ausmisten, indem sie die Wolle verarbeitet, die sie den Schafen über die Ohren gezogen hat, etc. pp.

Wenn ich meine tägliche Runde drehe – jede ca. 1-1,5h – je nachdem, ob die Wassertröge gereinigt werden müssen, der Garten mehr Wasser braucht oder ich mich einfach bei den Tieren verquatsche, ist das eine Art „Meditation“ für mich. Ich berühre alle Tiere, auch die Ziegen und die aufdringlichen, ätzenden Schafe, ich gehe bewusst mit dem Wasser um, ich hocke im Garten und nasche hier und da ein wenig. Es erdet. 

Und es hält einem deutlich vor Augen, wie selbstzerstörerisch der Mensch unterwegs ist, wie gedankenlos er nimmt, was da ist und dieses für selbstverständlich erachtet. Und als sein gutes Recht. Die Natur hat ihre Grenzen und diese zeigt sie uns immer wieder auf, während wir sie gänzlich ignorieren, snobistisch, wie wir nun mal sind 

Es ist 21:11 Uhr, ich spüre, was ich heute getan habe und ich sehe die Ergebnisse, ein deutlicher Vorteil ggü. meiner sonstigen Arbeit, bei der man bisweilen sehr lange darauf warten muss, bis man ein Ergebnis sieht, wenn man überhaupt welches sieht.

Morgen ist Sonntag und ich bin seit 2 Wochen in Kanada. Ich vermisse meine Arbeit keine Sekunde und denke auch nicht daran – sorry, liebste Kollegen, falls ihr das hier lest. Ich bin braungebrannt, meine Muskeln schmerzen ein wenig und wenn ich in den Spiegel sehe, sehe ich einen glücklich lächelnden, ziemlich hübschen Menschen.

P.S. An sich wollte ich die Zeit hier nutzen und jeden 2. Tag joggen gehen, um nach 10 Wochen gestählt und erleichtert nach Hause zu kommen. Alter! Es ist ein Wunder, dass ich noch nicht tief und fest penne, nach einem 15h Tag draussen. Dann lieber glücklich und nen fetten Hintern.

Gute Nacht 🙂

Hello Quadra Island.

Reist man während der Haupturlaubszeit, wird dringend empfohlen, Fähren und Busse im Vorfeld zu buchen und damit meine ich 2-3 Tage vorher, das gilt vor allem für Reisende mit einen Wagen. Für „walk ons“, also Leute, die als Fußgänger drauf gehen, gilt das in der Regel nicht. Wer sicher gehen möchte, bucht dennoch bequem online bei den BC Ferries oder bei Island Link (Bus).

Maureen brachte mich zur Fähre, das Ticket kaufen war problemlos, leider war mein Koffer mit seinen knapp 20 kg zu schwer (!) für die Aufgabe, so dass ich das mit an Deck schleppen musste, zum Glück gibt es Aufzüge, aber man ist leider dann an seinen Koffer gekettet und kann nicht einfach so überall rumlaufen. Ich habe ja ein Gottes Vertrauen in die Menschen, also spähte ich mir ein Pärchen aus, das auf meinen Koffer aufpassen durfte, , während ich mir bei Starbucks an Board einen Kaffee holte, DIe Überfahrt von Horseshoe Bay nach Nanaimo auf Van Island dauert ca. 90 Minuten. Im Hafen hat man sogar freies WLAN. Es war sonnig und wunderschön, ich sah einige Seehunde auch auch einige Delphine, leider keinen Wal 🙂

In Nanaimo musste ich 1,5h auf meinen Bus warten, da ich leider versehentlich einen später gebucht hatte, als ursprünglich gewollt, doch das war nicht schlimm, denn: Tolles Wetter, freies WLAN, genug zu essen und zu trinken. Der Bus war ein fetter GMC Truck und die Fahrt dauerte ca. 1,5 Stunden, wobei Al, der Fahrer, neben dem ich sitzen durfte, ein toller Gesprächspartner war, der mir eine Menge Tipps gab, mich ermutigte, von seinen Reisen nach Deutschland und von seiner Familie erzählte, dass er einen Enkel habe, der 2 Jahre alt ist und den er nicht gesehen hat, weil seine 18-jährige Tochter jeglichen Kontakt abgebrochen hat. Die Fahrt verging wie im Flug und schwupps, waren wir in Campbell River, im Norden von Vancouver Island, von wo ich wieder eine Fähre nach Quadra Island nahm. 

   
    
    
    
   
Und hier bin ich. Und hier bleibe ich bis Anfang September, so ist der Plan.

Ich wohne bei Mimi, sie ist eine Künstlerin, die in der Villa Kunterbunt wohnt, handwerklich unfassbar geschickt und scheinbar furchtlos ist. Sie lebt ihr die meiste Zeit alleine, da ihr Mann unter der Woche in Vancouver arbeitet. SIe hat Hühner, 2 Hähne die uns morgens wecken :), Schafe, mit denen ich meine Mühe habe, da ich sie nicht leiden kann, 2 Ziegen, ein Pferd, Charlie, das Alpaka, 3 Katzen, Hiro, einen Belgischen Schäferhund und einen Gemüsegarten, für den Eigenbedarf und für den wöchentlichen Samstags-Markt. 

   
             
   
Das Grundstück ist riesig und liegt Mitten im Wald. Nachts kann man schon mal die Wölfe hören, tagsüber sehr viel Wild sehen, im Gewässer um uns herum schwimmen riesige Lachse und auch Wale. Wir haben Seen und das Meer, 2500 Menschen leben auf der Insel, 1 Supermarkt ist auch da. 

Ich helfe Mimi mit den Tieren, die 2x am Tag gefüttert und versorgt werden, wässere morgens und abends den Garten, wir haben ihr Woll-Studio entrümpelt, in dem sie seit dem Tod ihrer Mutter im Winter nichts gemacht hat und damit wohl das Geheimversteck von Spiderman ausgehoben, meine Fresse, so viele Spinnen habe ich noch nie auf einem Haufen gesehen. ICh schätze, die 3 Katzen haben jetzt eine Menge Spaß mit dem Staubsauger 😉

Ich habe eine Holzkiste für den Knoblauch für den Markt gezimmert, mit Mimis Hilfe, aber hey, ich kann gerade mal einen Knopf annähen, damit er hält, bis ich es zum Schneider geschafft habe. Heute morgen habe ich Bohen und Erbsen geerntet. 

Ich lerne gerade eine Menge über mich, doch darüber später mehr 🙂

Der Fall meines Lebens

Mittwoch, der erste Tag, an dem ich seit der Ankunft HUNGER verspüre. Ich bin jedoch meist so damit beschäftigt, die Welt um mich herum zu entdecken, dass ich nicht daran denke. Ich trinke viel, frühstücke, den Rest vergesse ich. Das wird sich ändern, denn seit heute habe ich einen Wagen und kann nun alle drive-thru durchfahren 😉

Vor der Reise empfahl mir jeder Kanada-Reisende, unbedingt einen internationalen Führerschein mitzunehmen, würde „alles“ vereinfachen, vor allem die Autoanmietung. 

HA!

Habt ihr euch mal den Lappen angeschaut? Da ist nichts drauf, was ein Kanadier braucht oder versteht, um mir einen Wagen zu vermieten. Glücklicherweise hatte ich einen Reisepass, Füherschein und Presonalausweis dabei, so dass er sich alle Daten zusammensuchen konnte, dabei war er sehr humorvoll und wollte mir noch einen Aderlass anbieten, damit ich auch wirklich alles dort lasse, was Avis so braucht. Da der Kleinstwagen leider kein Navi hatte und ich ohne Navi kein Auto anmieten wollte, gab er mir den Nächstgrößeren zum gleichen Preis. „For all the circumstances, sugar.“ 

Schade nur, dass ich den Chevy Impala bloß 100 km/h fahren darf, bevor er ohrenbetäubend piepst, da ich die zulässige Geschwindigkeit übertete. Der Wagen und ich, das ist so eine Geschichte: In dem toten Winkel der B-Säule & des Spiegels, verschwinden gesamte LKW!

  
Dafür ist das Navi eine Wucht: Nix selbst tippen oder scrollen oder touchen: Man drückt nen Knopf und ein echter Mensch sucht einem die Route aus und schickt sie an den Wagen – LIEBE! So sprach ich heute mit vielen lustigen und unfassbar freundlichen Menschen. 

Das erste Ziel: Hamilton. Ca. 55 km westlich von Toronto und dort wandern, in einem schönen Park mit Wasserfällen, dem „Spencer Adventure“, dort habe ich einige Kilometer gemacht, bei schönstem Wetter. 

   
    
   
Und dann überlegte ich kurz: An sich wollte ich dort nicht mehr hin, denn es wäre das 4. Mal. Und ich war doch so enttäuscht, weil eine Stadt direkt rangebaut worden ist  und weil man sie nachts bunt beleuchet und weil das Kacke aussieht. Abdererseits, es sind DIE Fälle. Also fuhr ich weiter zu den Niagarafällen.

Der Niagara River verbindet den Eriesee mit dem Ontariosee. An den Niagarafällen stürzt er 58 Meter in die Tiefe. Die oben gelegene Insel Goat Island (Ziegeninsel) spaltet die Fälle in zwei Teile. Der US-amerikanische Teil hat eine Kantenlänge von 363 m, der kanadische eine von 792 m. Das Wasser des US-amerikanischen Teils fällt nach 21 m auf eine Sturzhalde, die bei einem Felssturz 1954 entstand. Der kanadische Teil (Horseshoe, deutsch Hufeisen) hat eine freie Fallhöhe von 52 m.

Quelle: Wikipedia

15€ Parkgebühren weiter war ich doch versöhnt.

   
    
 
Für mehr Bilder:

http://www.instagram.com/meggyver

Hello Toronto.

Am Flughafen in Amsterdam bot man mir 300 Dollar in bar, würde ich auf meinen (überbuchten) Flug verzichten und stattdessen einen anderen an dem Tag nehmen. Ich lehnte ab. Nicht, weil ich zuviel Geld habe, sondern weil die Vorstellung, unbestimt lange alleine dort zu sitzen, nachdem die Liebsten gefahren sind, sehr sicher dazu geführt hätte, dass ich heute nicht aus Toronto schriebe. 

Wie gern zeigte ich mich mutig, mit abentuerlichem Schalk in den Augen, aber die erste Nacht in Toronto verbrachte ich damit, dass ich bereits um 20 Uhr hiesiger Zeit (-6) ins Bett fiel und nachts kleine Schübe von Panik wegatmete, während sich mein Hals verengte und der Kloß in den Bauch wanderte. 

Ich hatte schlichtweg Angst. Heimweh und Sehnsucht. Außerdem ist es eine Umstellung, vom Wasserbett auf ein Holzbrett, so hart ist dieses Bett nämlich, in dem, anstonsten wunderschönen, großen ZImmer meiner ersten Airbnb-Buchung. SIe liegt sehr zentral, nämlich direkt an einer Start- und Endstation einiger Bus-Linien. Gestern war die Wohnung allerdings nicht leicht zu finden.

Nachdem ich am Flughafen von der Immigrations-Behörde freundlich gefragt wurde, warum ich ihr schönes Land nach 70 Tagen verlassen müsste und nicht länger bleiben kann, brachte sie mein,erstaunt ausgerufenes , „Na, weil ich doch wieder arbeiten muss!“ zum lachen. Nach einigen weitern höflichen Fragen, ob ich in West-Afrika war und Menschen kenne, die an Ebola erkrankt sind, wünschte man mir einen tollen Aufenthalt. 

Beim Warten auf den Koffer, plauderte ich mit einer Einheimischen, von der ich lernte, dass man das erste „o“ in Toronto nicht ausspreche. Das kann ich, der Pole lässt auch gerne ein paar Vokale weg. 

Ich informierte mich, welchen Bus ich nehmem muss und trat in die 31-Grad-Hitze, mit gefühlter Luftfeuchtigkeit von ca. 80%, hinaus.

Im Bus lief uns die Brühe nur so runter, an meiner Station fing es an zu donnern und zu blitzen, die Himmelspforten öffneten sich. Innerhalb von Serkunden war ich durchnässt, konnt das Haus nicht finden, die Einheimischen  schickten mich von links nach rechts und zurück. Die Müdigkeit und Einsamkeit taten ihr eigenes dazu und so stand ich da, mit Koffer und Rucksack, Tausende von Kilometern von meiner Komfort-Zone entfernt und versuchte heulend Netz zu bekommen, um das Navi zu starten.

Als ich am Haus ankam, pitschepatsche nass, verheult, überfordert, müde und mit Heimweh, kam Aaron mir entgegen, nahm meinen Koffer, seine Frau suchte mir Sachen zum duschen raus, kochte einen Tee und eine chinesiche Suppe und ich saß in ihrer Küche und kam heulend an, in diesem Toronto. 

Ich schätze, ich werde einige Tage brauchen, aber ich stehe ja noch am Anfang meines Abenteuers, welches nicht umsonst #MegCan heisst.

T-16

Glücklicherweise, habe ich das Vergnügen, meiner seltsamen Psyche und stoischen Ruhe vor Stürmen, seit einigen Jahren, so dass es mich nicht aus der Ruhe bringt, dass ich nicht aus der Ruhe zu bringen bin.
Das beziehe ich – in dem Fall – ausnahmslos auf meine Kanada-Reise.
Täglich werde ich von aufgeregten Freunden und Kollegen gefragt, wann es denn nun losging.

„16 Tage.“

Ich habe weder Kleidung rausgelegt, noch probe gepackt, da ich ein Mensch bin, der einen Schritt nach dem anderen machen muss, um nicht zu stolpern. Ich lebe im Augenblick, eine recht frische Angewohnheit, doch kann ich sie durchaus empfehlen. Man spart wertvolle Zeit, ohne, dass man das Kontingent bewusst vor Augen hätte und erlebt bewusster und nachhaltiger. Diese Indianer mit ihren Weisheiten, die wir stets zitieren und dann erleben wir es und es macht BÄM.
Sehr bewusst umarme ich Menschen, die ich vor der Abreise nicht mehr sehen werde. Meine Mama würde jetzt sagen: „So Gott will, sehen wir uns wieder“ oder „Wer weiß, was Gott mit uns vorhat“. Ich gehe davon aus, dass wir uns wiedersehen, möchte jedoch jeden Abschied bewusst abspeichern und nachfühlen können.

„Wirst Du echt ganz alleine reisen?“

Anfangs war ich ein wenig echauffiert, nahm ich an, man traute mir diese Reise nicht zu. Ich bereise ein zivilisiertes Land. Gut, ein Land, welches nicht flächendeckend mit LTE versorgt ist. Oder annähernd Netz hat. Vermutlich geht es darum, bei der Frage. Oder darum, ob ich es aushalte, Augenblicke für mich selbst zu erleben, ohne das unbändige Bedürfnis, teilen zu wollen. Mit den Liebsten. Ich werde es versuchen. Ich will Meg-Momente. Jedenfalls 7 von den 10 Wochen, dann teile ich mein Leben wieder.

„Ist das so ein Selbstfindungs-Trip“?

Grundgütiger.
Ich habe nicht die geringste Ahnung. Fürs Erste hoffe ich einfach, dass ich meine Unterkunft finde, mich in dem Land zurecht finde, Freunde finde, Zeit für mich finde … ich werde allerdings nicht suchen. Bis auf die Unterkunft. Ich werde mich treiben lassen und es genießen, keine 10 Stunden am Tag kreativ zu sein/sein zu müssen. Ich möchte Tiere streicheln, bis sie Löcher im Fell haben, Walen zuflüstern, sie mögen noch lange auf sich aufpassen, Menschen zuhören, die aus ihrem Leben erzählen.
Mir selbst zuhören, wenn keine Stimmen um mich herum Forderungen stellen. Via SMS, WhatsApp, Facebook, Twitter, etc.
Mich selbst werde ich nicht finden, dafür kenne ich mich zu gut.
Aber ich freue mich darauf zu sehen, was von dem Pfadfinder-Mädchen noch da ist, welches damals mit der eigenen Phantasie ganze Königreiche erschuf.

Kanada

Einer meiner liebsten Tweets ist dieser hier:

Und gleichzeitig eine hervorragende Überschrift für mein Kanada-Abenteuer, welches – Stand heute – 70 Tage dauern wird.

Ich lebe auch jetzt schon. Jeden Tag und auch nachts. Führe ein Leben, welches mir gefällt. Sicher könnte ich hier und da ein wenig nachjustieren, doch im Großen und Ganzen ist es ganz schön gut. Vertraut. Gewohnt. Routiniert. Glücklich.

Ich möchte es nicht missen, sondern anreichern, indem ich meine Komfort-Zone verlasse, den PC, die gewohnten Denkmuster, die Sicherheit meines Könnens und Wissens, das Internet …  gegen Phantasie und Körperkraft tausche und Sinne über einen längeren Zeitraum nähre, die in meinem Alltag noch eine Menge Restpotential haben. Müßiggang möchte ich einplanen, sonst nichts.

70 Tage alleine mit einem Kopf, der äußerst selten zur Ruhe kommt und den ich jetzt schon nachdrücklich bitte, mich nicht durchdrehen zu lassen, indem ich mir 60 Tage vor Abflug Gedanken mache, ob ich alleine zurecht komme, 4-5 Wochen täglich, körperlich arbeiten kann, ob mich die Menschen mögen werden und wie lange es wohl dauert, bis ich heulend am Straßenrand sitze und mich frage: What the fuck?!

Es wäre das erste Mal. Ja, Du lachst. Ich auch. Kurz, dann setzt das Denken wieder ein.

Und am Ende des Tages verlasse ich mich auf etwas, das mich seit über 30 Jahren nicht enttäuscht hat:

Mich selbst.

Alles wird gut. Ich freue mich.