Das Periodensystem

Nachdem meine letzte Periode bedingt durch die Einnahme der Jubrele mittlerweile knapp 6 Jahre her ist, mache ich mich schlau, was sich seitdem auf dem Markt getan hat.

Jetzt kommt eine kleine #tmi Passage:
Ich kann nur Tampons einführen, die einen Applikator haben. Diese Tampons habe ich in all den Jahren, in denen ich regelmäßig meine Periode bekommen habe auch genutzt. Problemlos, zuverlässig und „normal“. Bedingt durch die Pille kam meine Blutung nicht nur auf die Stunde genau, sie blieb auch nur max. 4-5 Tage und war schmerzfrei und normal, die Blutung eher leicht als stark.

Nun werde ich am kommenden Mittwoch die letzte Pille nehmen und gehe davon aus, mein Körper das bald checkt und dann einen wunderschönen Zyklus produziert.

Doch im „Periodensystem“ hat sich in den letzten Jahren eine Menge getan. Das Thema Nachhaltigkeit ist viel präsenter und das ist auch richtig und wichtig. Auch die Kosten für Hygieneartikel sind für viele Menstruierende ein Thema.

2018 sorgte die britische Abgeordnete Danielle Rowly für Aufregung, als sie im Parlament sagte: „Ich habe meine Periode. Und das hat mich diese Woche schon 25 Pfund gekostet.“ Sie zitierte eine Umfrage, der zufolge britische Frauen jährlich 550 Euro (im Schnitt 20.500 Euro im Leben) für ihre Periode ausgeben.

Für Deutschland gibt es keine Erhebungen zu den Kosten der Menstruation. Bekannt ist aber, dass mehr als die Hälfte der Frauen in Deutschland Tampons benutzt. Das ergab eine Marktforschungsstudie für 2017.

Ein Rechenbeispiel: Eine große Packung mit 64 Tampons einer beliebten Marke kostet im Drogeriemarkt etwa 4,75 Euro. Tampons sollten laut Hersteller etwa alle sechs Stunden gewechselt werden, das macht also vier Tampons pro Tag, bei durchschnittlich fünf Tagen Blutung sind das 20 Tampons pro Zyklus. Bei durchschnittlich 456 Perioden zwischen 13 und 51 Jahren braucht frau im Leben demnach 9.120 Tampons. Das entspricht 143 Packungen, die heute etwa 677 Euro kosten würden. Nicht mitgerechnet: Die vielen Tampons, die in Handtaschen und unterwegs verloren gehen.
Quelle

Ich habe mich also umgeschaut, was es alles gibt. Und was für mich in Frage kommt. Mit Pille war meine Periode „a piece of cake“, sozusagen. Ca. 15 Tampons pro Periode und die Geschichte war gelaufen.

Doch wie wird es demnächst sein, wenn die Pille nichts mehr regelt, wenn der Körper wieder von Autopilot auf eigenständige Steuerung umstellt? Werde ich in Schmerzmittel investieren müssen, in extra saugfähige Tampons, Binden oder Unterwäsche?

Ich werde mit Tampons anfangen, zumal ich tatsächlich noch welche von vor knapp 6 Jahren habe und nachdem ich sie aufgebraucht habe, auf Bio-Tampons umsteigen. Zusätzlich habe ich mir eine Packung Binden gekauft für einen extra Schutz.

Für den Anfang habe ich mir diese Bio-Binden von Mia Care für die Nacht gekauft, die werde ich so oder so aufbrauchen, womöglich brauche ich sie nicht, doch ich möchte vorbereitet sein.

Von Taynie habe ich mir einen Perioden-Slip gekauft – zum einen, weil sie hübsch aussehen, aber auch in größeren Größen verfügbar sind und aus Deutschland kommen. Ich habe den Slip auch schon mal so getragen – ein bisschen ungewohnt, denn man „hört“ ihn ein wenig am Anfang, aber nach kurzer Zeit habe ich gar nicht mehr daran gedacht. Gespannt bin ich, wie sich der Slip bewährt, wenn die Blutung da ist und wie er mit der Stärke klarkommt. Und ich 🙂

Eine Tasse werde ich nicht gleich von Anfang an benutzen. Die schaue ich mir später an, wenn sich mein Zyklus halbwegs normalisiert hat, denn da fürchte ich eher, dass ich das gleiche Problem haben werde, welches ich mit Tampons ohne Applikator habe, ich komme nicht tief genug rein, damit sie perfekt sitzt.

Während ich mich also schlauer recherchierte, stieß ich auch auf die Seite von TheFemaleCompany – dort bekommt man alle Hygieneprodukte in Bio-Qualität und in einem Abo, was langfristig Geld spart.

Was benutzt Du? Kannst Du mir etwas empfehlen?

„Antibabypille“ oder „Antifrau“?

Ich nehme die Pille derzeit auch nur damit ich weiß, welcher Wochentag ist.

Heute ist übrigens Donnerstag. 😉 (der Witz funktioniert natürlich nur an jedem Wochentag, AUSSER an einem Donnerstag.)

Seit meinem 16. Lebensjahr nehme ich die Pille – ununterbrochen. Das sind dieses Jahr 28 Jahre. 28 Jahre gaukeln diese kleinen Pillen meinem Körper eine Dauerschwangerschaft vor und dominieren, wenn frau so will, den Hormonhaushalt. Kein Eisprung.

„Die Hormone in der Anti-Baby-Pille verhindern den Eisprung der Frau, sowie dass Spermien in ihre Gebärmutter eindringen. Somit kann die Frau bei korrekter Einnahme der Pille nicht bzw. nur in sehr seltenen Fällen schwanger werden.“ Quelle

Durchbruch der Pille in den 1950er Jahren

1957 wurde die erste Anti-Baby-Pille, das Präparat Enovid, in den USA zugelassen – zuerst noch als Mittel gegen Menstruationsbeschwerden.

1960 kam Enovid offiziell auch als Verhütungsmittel auf den Markt.

1961 war die Pille unter dem Markennamen Anovlar von Schering in Deutschland erhältlich – allerdings wurde es nur verheirateten Frauen mit mehreren Kindern verschrieben und sollte offiziell gegen Menstruationsbeschwerden helfen.
Quelle

Situation heute

In Deutschland verhütet heute laut einer repräsentativen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mehr als jede zweite Frau zwischen 18 und 49 Jahren mit der Pille. Für Frauen unter 20 Jahren ist sie kostenlos erhältlich.
Quelle

Ich bekam die Pille damals jedoch nicht für ihren eigentlichen Zweck, nämlich die Empfängnisverhütung, sondern weil meine monatlichen Menstruationsbeschwerden extrem waren. Und mit extrem meine ich nicht nur Übelkeit und Krämpfe aus der Hölle, sondern teilweise sogar Ohnmacht. Die Pille regelte es.

Ich möchte euch sehr ans Herz legen, das Wort „Antibabypille“ bei Wikipedia einzugeben und etwas über die Geschichte nachzulesen. Eine Revolution.

Und bis heute das meist verwendete Verhütungsmittel bei Frauen gleichzeitig das mit den mit den meisten Nebenwirkungen.

Blutungsstörungen, Blähbauch, Übelkeit, Gewichtszunahme, psychische Beeinträchtigungen wie depressive Verstimmungen (!!), Brustspannen, Kopfschmerzen, trockene Scheide, geringere Lust auf Sex (sic!), Zysten an den Eierstöcken, Akne, Vermännlichung wie Gesichtsbehaarung oder tiefere Stimme, Thrombosen (Verschluss der Blutgefäße), Herzinfarkt, plötzliche Durchblutungsstörungen (Apoplexie) mit beispielsweise Schlaganfall als Folge, Gebärmutterhals- oder Brustkrebs, Abnahme der Knochendichte. etc. pp.

Wusstest Du das?
Für mich bedeutet die Pille eine Art „Freiheit“. Keine Sorge um Blutungen, Schmerzen, „böse Überraschungen“, etc.

Ich werde sie dennoch absetzen. Ironischerweise rät meine Gynäkologin davon ab, denn meine jetzige Pille ist „gering dosiert“ (es handelt sich um die Jubrele und ich nehme sie seit über 5 Jahren durch) was bei mir dazu führt, dass ich seit 5 Jahren keine monatlichen Blutungen mehr bekommen habe. „Wollen Sie das wirklich wieder haben, all die Nebenwirkungen ohne Pille?“ – eine krasse Frage, oder?

Ich gestehe: Mir ist etwas bang. Ich bin nicht scharf auf (un-)regelmäßige Periode, Schmerzen, Stimmungsschwankungen (die ich mit der Pille nicht habe), etc. pp.

Ich bin auch nicht so esoterisch erpicht darauf, meinen Körper total zu spüren, auf den Eisprung zu warten, mir einen Blumenkranz zu flechten und meinen Körper zu zelebrieren. Dennoch möchte ich gerne erleben, wie sich mein Körper anfühlt (innen und außen), wenn er nicht mehr unter Hormoneinfluss steht.


Ich fühle mich gerade wie vor dem ersten Mal.
Was werde ich spüren? Werde ich was spüren? Wie wird der Zyklus sein? Kommen die Schmerzen von der Zeit vor der Pille wieder? Wir wirkt sich das auf meine Psyche aus und merke ich physisch auch was? Welche Produkte werde ich nehmen … Tampons, Tassen, Höschen?

Ich fühle mich gerade wir vor dem ersten Mal.

Und dennoch ist es dringend nötig.

Ich werde hier berichten, wie es sich anfühlt.

P.S. Ich habe auf Insta nach einigen Zyklus-Tracking-Apps gefragt und viel Feedback von euch bekommen. Viele dieser Apps senden viele eurer persönlichen Daten z.B. an Facebook. Hier ein Artikel dazu.

Es gibt aber auch welche, die etwas besser sind und die Daten lokal speichern. Die findest Du hier .

Welche nutzt Du?