#hand2hand: Alsbald Kinder wird’s was geben.

Puh, das war nicht einfach, aus all diesen wundervollen Einsendungen 24 rauszusuchen, in der Hoffnung, dass für jeden etwas dabei ist 🙂 Ich bin sehr gespannt, wie diese schönen Dinge bei euch ankommen werden und wie viel Hilfe wir dieses Jahr für @heimatstern zusammen bekommen.

Am 01.12. wird das erste Türchen auf diesem eBay-Konto live gehen und jeweils 24 Stunden aktiv sein. In der Zeit könnt ihr wie wild darauf bieten. Dank der Tatsache, dass die Aktion dieses Jahr über eBay-Charity läuft, wird eBay keine Gebühren erheben.

Die Bezahlung läuft über PayPal und zwar den Heimatstern-PayPal Account: Der Vorteil hier ist, dass das Geld direkt dort landet, wo es hin soll und dass Heimatstern hier auch weniger Gebühren an PayPal zahlen muss. Wie ihr seht, wurde das Ganze optimiert, so dass fast 100% eurer Spende dort ankommt, wo sie am allermeisten gebraucht wird.

Es wird einige wundern, warum jemand bereit ist eine „unverhältnismäßig hohe Summe“ für „einfache Pralinen“ oder „etwas Gehäkeltes“ auszugeben. Ich sehe das anders: Es handelt sich um Spenden, die Menschenleben retten, Spenden, die man ggf. ohnehin tätigen würde. Nur bekommt man bei #hand2hand noch etwas wunderschönes, handgefertigtes dazu ❤

Ich freue mich noch mehr auf den Dezember als sonst.

Meg

 

 

 

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Bist Du sozial loyal?

Jeden Morgen beginne ich den Tag mit einer kleinen Runde durch mein soziales Gewissen, indem ich mir bei Instagram Tipps und gut gemeinte Ratschläge abhole. Nicht, dass ich sie bestellt hätte, das ist ja das Großartige an diesen sozialen Netzwerken: Man bekommt sie einfach so frei Haus und ja, man möchte sie auch haben, denn sonst hätte man ja das Bild von der Leberwurstbemme ja nicht da hochgeladen, sondern ins Tagebuch gemalt. Also lese ich, dass ich mein Bio-Rinderhackfleisch bitte nicht abgepackt im Supermarkt kaufen soll, sondern gefälligst direkt von der Metzgerei und mein Obst schälen soll, in der Haut seien eh nur noch Pestizide statt Vitamine.

Bei Twitter lerne ich, worüber ich heute gefälligst zu twittern habe, denn es kann ja nicht sein, dass schon wieder ein Promi Selbstmord begehen muss, damit ich co-betroffen in puncto Depression bin.

Und überhaupt: Müssen die Frauen weltweit erst den #metoo verwenden, damit ich mir Gedanken darüber mache, ob ich mich von Männern sexuell belästigt und unterjocht fühle? Immerhin würde ich ja mein Profilbild in den jeweiligen Farben des vom Terrorismus betroffenen Landes färben, aber vergesse darüber hinaus, meine Betroffenheit ob der Kinderarmut in Deutschland zu äußern.

Und was ist mit den männlichen Küken, den überfahrenen Igeln, den Kröten, die die Umleitungsschilder für die eigens für sie gebaute Unterführung wieder nicht im Kröten-Anzeiger gelesen und sich haben überfahren lassen?

Was ist mit den Frauen, die eigentlich Männer sind, die Männer, die eigentlich noch Kinder sind und habe ich meine Großeltern schon angerufen, solange sie noch leben, denn dann ist es zu spät und dann habe ich den Schlamassel und konnte nicht aufarbeiten, werde depressiv und dann müssen alle ihre Profilbilder in den Farben meines Familienwappens färben.

Über Facebook rede ich erst gar nicht. Da schaue ich mir nur meine nächsten Reiseziele an, aber muss vorher noch 12 Tests machen, ob ich auch wirklich sicher bin, wie man sich die Hände richtig wäscht und welcher Scheidenpilz-Typ ich bin.

Ihr merkt, es ist ein wenig überzogen*.

Ich bin überzeugt davon, dass der Mensch mit einem Selbstschutz-Mechanismus ausgestattet ist, der verhindert, dass wir ALLES so nahe an uns ranlassen, dass es uns lebensunfähig macht. Kennt ihr das?

Da gibt es diese Abkürzung von der Bahn nach Hause, sie verläuft etwas abgelegen an einer Baustelle entlang, links und rechts ist eine dichte Hecke. Wenn ihr diesen Weg nehmt, seid ihr in 5 Minuten zuhause, statt außen rum zu laufen. Den Weg nehmt ihr jeden Tag, ohne darüber nachzudenken.

Und jetzt denkt darüber nach: Wäre das im Dunkeln nicht der perfekte Ort, um euch aufzulauern und euch sexuell zu belästigen oder gar zu meucheln? Mit dem Gedanken im Kopf geht ihr den Weg nicht mehr. Nach jedem Horror-Film oder gruseligen Thriller beschleunigt sich unsere Atmung kurz, wenn es auf dem Weg zum Auto irgendwo raschelt.

Ich bin sicher, wir haben diesen Selbstschutz, der Böses filtert, der uns nicht jeden Tag und jede Minute daran denken lässt, dass uns bei 200 km/h auch ein Reifen auf der Autobahn platzen könnte, jemand einen Stein von der Brücke direkt auf unsere Frontscheibe wirft, wir in dem Flugzeug sitzen, das heute abstürzt und warum wir nicht diejenigen sein sollten, die in der eigenen Wohnung abgeschlachtet werden.

Mir ist bewusst, dass dieser Selbstschutz angegriffen wird, oftmals bekommt er irreparable Schäden. Doch was meinen aufrecht hält, ist der Glaube daran, dass es ihn gibt. Und er ist effektiver als die Vorwürfe von mit fremden Menschen in den sozialen (!) Netzwerken, die sich geneigt fühlen mir vorzuschreiben, wem ich heut die Stange halten müsse, da ich ansonsten ein schlechter Mensch wäre und mit verantwortlich dafür, wenn sich jemand, der an Depressionen leidet, das Leben nimmt. Oder wenn eine Frau sexuell belästigt wird, weil ich mich nicht dazu geäußert habe.

Bis mir nicht das Gegenteil bewiesen wurde, werde ich unbekümmert leben, bis ich eines Tages sterbe.

 

*nur an manchen Stellen

 

#hand2hand: Machst Du mit?

Nachdem ich einige bürokratische Hürden nehmen konnte, möchte ich nun diejenigen bitten, die dieses Jahr etwas für die #hand2hand Aktion spenden möchten, mir dieses mitzuteilen. Ein paar Punkte zur Erklärung, wenn Du mitmachen möchtest:

  • biete bitte etwas selbst hergestelltes an. Du kannst es backen, stricken, töpfern, kochen, Du kannst einen Tag mit Dir bieten, eine Dienstleistung (weil Du z.B. Handwerker bist), irgendwas, das Du nicht einfach gekauft hast
  • sende mir bis zum 03.11. (Mitternacht) eine E-Mail an meggyver@gmx.de in der Du kurz beschreibst, was Du anbieten möchtest. Ggf. hast Du schon ein Bild, so dass ich es mir besser vorstellen kann. Bitte hab Verständnis dafür, dass ich die Nachrichten nicht überall einsammeln kann, deshalb die Bitte nach der E-Mail. Danke.
  • Bitte schreibe mir Deinen Vornamen und Deinen Twitter-Nick in die E-Mail, damit ich Dich im Kopf zuordnen kann.

Danach werde ich aus allen Einsendungen 24 zusammensuchen, die einen schönen #hand2hand Kalender ergeben, eine bunte Mischung, für jeden etwas dabei. Deshalb möchte ich an der Stelle um Verständnis bitten und auch das Vertrauen, dass ich das im Sinne der Sache und für die Spenden mache und nicht aus persönlichen Präferenzen.

Wenn ich die 24 Türchen habe, werde ich diese Personen anschreiben und bis zum 17.11. darum bitten, mir einen ausführlichen Text (und hier sind Deiner Kreativität keine Grenzen gesetzt, es ist schließlich für den besten Zweck der Welt <3) + Bilder zu schicken, damit ich die Auktionen bei eBay einstellen kann.

Deine Spende sollte dann im Dezember auch (versand-)fertig sein. Den Versand (versichert) trägst Du (Ich werde die Auktionen bei eBay auf Deutschland begrenzen). Nach einer erfolgreichen Auktion werde ich Dich mit dem glücklichen Gewinner „verknüpfen“.

Ich hoffe Du machst mit und freue mich sehr auf die Aktion, für den besten Zweck der Welt ❤

Und an alle, die traurig sind, weil sie wie ich 2 linke Hände haben und nichts beitragen können: Das könnt ihr!

Ihr könnt die Aktion unterstützen, indem ihr auf diesen Beitrag bei Twitter aufmerksam macht und in der Weihnachtszeit die Türchen jeden Tag teilt. Außerdem könnt ihr gerne auch direkt spenden. Jede Windel, jeder Liter Milch, jedes Paar Socken hilft – hier könnt ihr schauen, wie es geht und wie einfach es ist. Danke!

Meg 

hand2hand 2017

Wahnsinn. Weihnachten steht wieder vor der Tür und Anfang des Jahres habe ich gesagt, dass ich dieses Jahr wieder #hand2hand machen werde.

Für alle, die es nicht kennen:

Es ist ein Online/eBay Adventskalender mit handgemachten Dingen – das kann alles sein von Bildern, Schmuck, Gebäck (wir hatten Kekse und Kuchen, Müsli, Pralinen), Getöpfertes, Gesungenes, etc. Hauptsache nicht einfach gekauft, sondern selbst hergestellt.
Auf diese Schätze kann man bieten.
Der Erlös ging zu 100% an Heimatstern e.V. und das wird auch dieses Jahr der Fall sein, denn sie tun Großartiges (damals abzüglich der eBay und PayPal-Gebühren). Die großzügigen Bastler stellten alles kostenlos zur Verfügung (inkl. Bild & Beschreibung) und übernahmen sogar den Versand. Die großzügigen Spender/Käufer übernahmen teilweise sogar die PayPal-Gebühren.

Hier könnt ihr das Ergebnis sehen.

Das Ziel dieses Jahr: Ich möchte diese Aktion in das eBay-Charity-Programm bringen. Das würde bedeuten, dass wir keine Gebühren zahlen müssen. Es sieht gut aus dieses Jahr, ich bin bereits mit eBay in Kontakt.

Desweiteren möchte ich es dieses Jahr auf 24 Türchen begrenzen – zum einen, damit es ein „klassischer“ Adventskalender ist und zum anderen aus persönlichen und zeitlichen Gründen.

Sobald ich das GO von eBay habe, werde ich die Türen öffnen für alle, die mitmachen wollen, also die etwas für den Kalender zur Verfügung stellen wollen und dann aus den Angeboten eine schöne Mischung zusammenstellen.

Ich möchte an der Stelle um Verständnis und Vertrauen bitten, dass es „nur“ 24 Türchen sein werden und dass ich gut mischen möchte, damit wir nicht „nur“ Fotokalender oder „nur“ gehäkelte Mützen haben. Am Ende geht es um Spaß und darum, Menschen zu helfen und Leben zu retten, weshalb ich hoffe, dass sich niemand in der Ehre verletzt fühlt, wenn ich sein Angebot ablehne. Ihr könnt auch helfen, in dem ihr die Türchen teilt, auf die Aktion aufmerksam macht oder selbst etwas ersteigert.
Bitte überlegt es euch also im Vorfeld genau, ob und womit ihr mitmachen wollt ❤

Wer nichts ersteigern, aber helfen möchte, kann jederzeit gerne direkt an Heimatstern spenden. Eine Spendenquittung wird auf Wunsch ausgestellt.

Außerdem freue ich mich über jeden, der die Aktion teilt und darauf aufmerksam macht.

Ich freue mich darauf.

Meg

 

P.S. Bitte geduldet euch noch ein bisschen, bis ich all den bürokratischen Quatsch im Hintergrund geklärt habe 🙂

„Du bist dick.“

Neulich war ich mit meinen 4-jährigen Patenkindern verabredet. Wir wollten mit einer handbetriebenen Fähre über die Sieg fahren – man kann an der Stelle als Erwachsener durch die Sieg laufen, aber für Kinder ist das ein kleines Spektakel.

Es war heiß an dem Tag, ich fuhr mit offenem Verdeck und parkte unter einer Brücke im Schatten. Beim Einparken sah ich einen flachsblonden Jungen mit nacktem Hintern ins Gebüsch pullern, schätzte ihn auf 3 Jahre. Moritz (wie sich später herausstellte) sah mich einparken und das Verdeck schließen und kam mit großen Augen angerannt. Seine Mutter war zu dem Zeitpunkt ein paar Autos weiter fast komplett im Kofferraum eines SUV verschwunden und wickelte die kleine Schwester von Moritz. Folgender Dialog entspann sich:

Moritz: „Du hast ja ein tolles Auto! Was ist das für einer?“
Ich: „Danke schön. Das ist ein Golf Cabrio.“
„Aha! Wir haben sowas nicht. Nur Schiebedach.“
„Das ist doch auch schön, dann kannst Du ja während der Fahrt in den Himmel gucken.“
„Hast Du denn auch Rücksitze? Kann ich mal mitfahren? Kannst Du das Dach nochmal aufmachen?“

Es folgte ein kurzes Fachgespräch über Autos. In der Zwischenzeit gesellte sich die kleine Schwester dazu, die sogleich meine Beine umarmte und sich an mich drückte. Ich wunderte mich ein wenig über die Zutraulichkeit beider Kinder, zumal die Mama nach wie vor in den Kofferraum des Wagens vertieft war und von dort aus nicht sehen konnte, wo ihre Kinder sind. Während also die Kleine mit meinen Beinen kuschelte, fragte Moritz mich, wo meine Kinder denn seien und warum ich jetzt eine kurze Hose anzöge (was etwas schwierig war, da nach wie vor ein extrem süßes Mädchen mit meinen Beinen kuschelte) um dann festzustellen: „Du bist dick. Meine Mama ist nicht dick. Mein Papa auch nicht.“

Puh. Nachdem ich das Messer aus den Speckschichten gezogen hatte, halbwegs wieder die Röte aus meinem Gesicht verbannte und in das offene, lächelnde Gesicht von Moritz schaute, wurde mir klar (abgesehen vom Fakt, dass er offenkundig sehr gute Augen hat), dass er nicht wertete mit seinen 3 Jahren, sondern beobachtete, bzw. feststellte und natürlich damit Recht hatte. Nachdem ich wieder Luft in den Lungen hatte, sagte ich statt „Ey, das sagt man nicht, was soll das?“

„Du hast Recht, Moritz. Ich bin dick und super nett, wie Du auch.“

Woraufhin mir Moritz nochmal die Luft nahm, indem er sagte: „Ich finde Dich hübsch.“

Dann wurde er von seiner Mutter abgepfiffen, die mich fragte, ob ihre Kinder mich belästigt hätten, was ich lachend verneinte, mich allerdings über die Wortwahl ein wenig wunderte.

Ich zog mich um und lief Richtung Siegfähre, wo mir eines meiner Patenkinder entgegenlief und sich, laut meinen Namen rufend, in meine Arme warf. Ich nahm ihn hoch und drückte ihn ganz fest, küsste seine Wange, wurde geküsst und hörte Moritz zu seiner Mama sagen: „Die Frau mit dem Cabrio finde ich hübsch, Mama.“

Ich bin seit 6 Jahren Patentante von Alex und seit 4 Jahren von Jonas und irgendwie auch seinem Zwillingsbruder Niklas. Ich habe ein weiteres männliches Zwillings-Paar im Alter von 3 Jahren, das ich sehr oft sehe und finde es interessant, ab wann aus einer reinen Feststellung/Beobachtung eine Wertung wird. Immer dann, wenn sie es vorgelebt bekommen, von den Eltern, Großeltern, Freunden …

Zuerst ist dick und dünn nur eine Bezeichnung, nicht nur für Menschen, auch für Linien, die man zeichnet oder Formen, die man knetet.

Zuerst ist „behindert“ (wenn man das überhaupt so gebrauchen muss) nicht gleichzusetzen mit „doof“ oder „gaga“ oder „scheisse“.

Zuerst ist schwul nicht „krank“, „behindert“ oder „ekelhaft“, sondern ein bezeichnendes Wort für die Liebe zwischen zwei Männern.

Und so weiter, und so fort.

Wir geben diesen Bezeichnungen einen (meist) abwertenden Stempel. Für Moritz ist es egal, ob ich dick oder dünn bin. In erster Linie war ich zu ihm nett und freundlich.

Schade, dass sich das mit der Zeit verliert.

Political Correctness

flederzombie©

Ich esse Negerküsse, weil
sie mich an meine Kindheit erinnern.

Ich höre Zigeunermusik, weil
ich sie liebe –
Django Reinhardt
vor allem.

Ich will keine Schaumküsse der Langeweile.

Es ist immer dasselbe mit den Menschen:
Sie suchen nicht den Kern,
sie kratzen an der Schale.

Und die Mordlust kommt von
Filmen & Videospielen?

Natürlich,
Ihr Langweiler.
Was denn sonst?

Ich habe in meiner Kindheit noch mit
Ausländern gespielt.

Diskriminierung ist
meinem Denken & Fühlen so fremd,
dass ich sie in
einzelnen Worten
meist
nicht erkennen kann.

Ich sehe Splatterfilme &
fühle mich schlecht, wenn ich
versehentlich
jemandem auf den Fuß trete.

ICH SEHE MENSCHEN!
NICHT DIE WORTE,
DIE SIE ZU BESCHREIBEN VERSUCHEN!

Ich mache Witze über
Krankheiten & Tod.
Auch das tut man nicht.
Die Witze sprießen aus dem Boden
der Angst & des Entsetzens –
gedüngt mit Erfahrung.

Nehmt endlich Eure
Politische Korrektheit
– sie ist rein…

Ursprünglichen Post anzeigen 40 weitere Wörter

Danke Mama. 

Mit 63 Jahren geht meine wunderbare Mama dieses Jahr in den verdienten Ruhestand. Sie hatte gestern ihren letzten Arbeitstag. Als ich sie anrief, klang sei ein wenig bedrückt. Ich fragte, wie es denn gewesen sei, zum letzten Mal durch das Tor der Fabrik zu gehen, in der sie die letzten knapp 30 Jahre an diversen Maschinen und Fließbändern gearbeitet hat.

„Ganz komisch“, sagte sie. Um sie aufzumuntern, erzählte ich ihr davon, dass wir ihr einen Flug nach Polen gebucht haben, damit sie Oma besuchen kann. Sie versteht noch nicht, im Laufe des Gesprächs bringe ich sie mehrmals zum lachen. Immer wieder sagt sie „Ah kochanie“ (Ah Liebling) und dann lacht sie.

Meine Mama ist ein ganz besonderer Schlag Mensch. Nachdem sie 3 ganz hervorragende Kinder großgezogen hat – durch alle Höhen und Tiefen des Sozialismus, Kalten Krieges, Lebensmittelrationierung, der Flucht nach Deutschland, unbekannter Sprache und der knapp 30 Jahre Arbeit in einer (elenden, menschenverachtenden, unterbezahlenden, ausbeutenden) Kuchenfabrik, möchte ich sie salben, umarmen, in Watte packen, ihre Hände streicheln und ihr jeden Wunsch von den Augen ablesen.

Sie bringt mich an den Rand meiner exquisiten Erziehung, die ich ihr zu verdanken habe, wenn sie noch heute an mir rumerzieht, in ihrer sehr eigenen Art. Die Dialoge velaufen in der Regel folgendermaßen:

„Liebling, meine Süße, (das noch auf polnisch, dann kommt) meine Tochter (das schon etwas strenger), isst Du jeden Tag ein/e [beliebiges Obst/Gemüse/Körner/Essigessenzen einfügen]?“
„Nein, nicht jeden Tag.“
„Solltest Du aber, ist gut für/gegen [irgendwas, was ich nicht habe oder habe oder nicht brauche], aber nur ein/e. Sonst geht es Dir schlechter als besser.“

oder

„Ok, Mama, dann bis Ostern/Weihnachten/Morgen/Samstag.“
„Abwarten, so Gott will, mein Liebling.“
„Der soll sich da raushalten.“
„Ich werde für Dich beten.“

oder

[jeden beliebigen christlichen und selbst ausgedachten familliären Feiertag einfügen]

„Warst Du in der Kirche, meine Große?“
„Nein, ich bin ausgetreten.“
„Als ob sie Dich nach dem Ausweis fragen würden! Du könntest wenigstens an [jeden beliebigen christlichen und selbst ausgedachten familliären Feiertag einfügen] zu Gott beten.“
„In der Bibel steht „Gott ist überall“, ich könnte also auch auf dem K“
„Wag es ja nicht!“

oder

„In der [Titel eines beliebigen „Frauen-Blättchens“ einfügen] steht, wenn man [den Namen eines beliebigen Grundnahrungsmittels eintragen] isst, dann nimmt man [mindestens die geschätzte Hälfte meines Gewichtes] ab. Probier das doch mal, nur eine Woche. Ich sage das nur, weil ich Dich liebe.“

Auch schön:

„Nicht über die Schwelle verabschieden, das bringt Unglück.“
„Nicht den Teller ablecken, davon fallen einem die Haare aus.“
„Nicht die Blumen schenken, davon wird die Beschenkte hässlich.“
„Nichts ist unmöglich mein Kind, außer nen Schirm im Arsch aufspannen.“

(Davon sagen wir ihr besser nichts:

//platform.twitter.com/widgets.js

Und doch hat niemand meine beruflichen und privaten Erfolge so gefeiert, wie sie. Kaum jemand hat mich so dabei unterstützt, meinen Weg zu gehen und immer da zu sein, wenn ich z.B. heulend vor einer Mandel-OP im Alter von 25 Jahren bei ihr anrief, weil ich Angst hatte.

Als ich den Rentenbescheid sah, kam mir buchstäblich die Galle hoch …
Inklusive Gewissensbisse ob meiner Entlohnung für geistige Arbeit im Vergleich zu ihrer Schufterei und einer beschämenden, demütigen Dankbarkeit für ihren Mut dafür, vor 29 Jahren ihre Kinder und ihren Mann ins Ungewisse begleitet zu haben und ihre Eltern & Geschwister zurückzulassen.

Diese Mutterliebe ist mit das krasseste, was mir diese Frau immer wieder gezeigt hat. Und damit meine ich auch die Tatsache, dass sie von mir gebastelte Dinge behielt. Trotz des Vollbesitzes ihrer geistigen Kräfte.

Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, ihr zu ihren Lebzeiten dafür zu danken und es nicht bereuen zu lassen, auch wenn sie sich ihr Leben womöglich anders vorgestellt hat.

Dziekuje, Mamusiu.

❤️

Mimis Granola

Jetzt kocht sie auch noch!

Ein bisschen British Columbia im Glas – #MegCan

Twitter ist ja nicht nur ein Ort für Wortspiele und Whatsapp-Bilder-Vorlagen, manchmal lernt man* dort auch grandiose Menschen kennen und kann sie ein Stück virtuell begleiten.

So ging es mir mit @meg_gyver, deren erstes Kanada-Abenteuer ich quasi „live“ mitverfolgen durfte. Neben vielen tollen Bildern, Eindrücken, Gartenhänden und Knoblauchzehen, brachte Meg auch ein Granola-Rezept von ihrer Reise mit.
Das Rezept ist von Mimi, von der ich mittlerweile so viel gelesen habe, dass ich schon meine, sie zu kennen. Deswegen auch Mimis Granola.
Meg schickte mir nach ihrer Rückkehr ein kleines Glas davon und ich habe es ungelogen auf der Arbeit nebenher aufgegessen.

Da ich nicht mehrmals in der Woche Granola-Pakete einfordern wollte, hab ich sie nach dem Rezept gefragt und backe nun 2 mal im Monat das sagenhaft knusprige Zeug.

Hier ist das Rezept für 2 Bleche:

  • 9 cups gemischte Getreideflocken (ich nehme immer…

Ursprünglichen Post anzeigen 213 weitere Wörter

Time for change

In 50 Jahren wird sich die Weltbevölkerung auf 10 Milliarden Menschen erhöht haben. Bis dahin wird in den Ozeanen dieser unfassbar schönen Welt mehr Plastik drin sein als Fisch.
Lass das mal sacken.
Plastik ist toll, weil es ewig hält.

Plastik ist Gift, weil es ewig hält.

Plastik macht Sinn, wenn man ihn immer wieder verwendet (Tupper, z.B.) und so unfassbar unnötig als ‚coffee to go‘-Becher oder Strohhalm.

Ich drehe derzeit an vielen Stellschrauben in meinem Leben/Alltag/Routine: 
Seife zum Haare waschen, als Spülung, als Waschstück (Danke für die Inspiration, Kirstin), keinen Kaffee unterwegs im Wegwerfbecher, Brötchen im Stoffbeutel statt Papiertüte, Zucker in der Papiertüte statt in Plastik, Obst einzeln, statt in Plastik – es sind machbare Kleinigkeiten.

Ich muss aufpassen, dass ich Dich damit nicht nerve, nicht dauernd darauf rumreite, wenn Du einen Becher bei Starbucks nimmst oder Dein Obst in Plastiktüten packst, dennoch bin ich überzeugt davon, kluge und gute Menschen als Freunde zu haben, die zumindest darüber nachdenken, das ein oder andere zu ändern. Auch wenn ich am liebsten schriebe:
ES IST ZU SPÄT ZUM NACHDENKEN.

Es gibt keine Ausreden. 
Fang sofort damit an.

‚From knowing comes caring, from caring comes change.‘

– Craig Leeson 

Nina.

„Immer lachen und arbeiten“, sagt Nina und nickt mit dem Kopf in meine Richtung. Ich lächele sie an, ihre Schicht beginnt, meine endet bald. Ich frage sie auf denglisch nach ihrem Wohlbefinden. Wir kommunizieren in polnisch, englisch und deutsch, sie kommt aus Lettland, sie putzt hier.

Nina ist Mitte/Ende 50, zierlich und blond, sie hat einen schönen Herzmund. An guten Tagen, wenn ihre Wangen rosig sind, trägt sie einen nudefarbenen Lippenstift, der ihr sehr gut steht.
Vor einigen Wochen ging es ihr einige Tage nicht gut, ihre Blutwerte waren nicht okay und sie hatte einen Termin beim Kardiologen, vor dem sie sehr viel Angst hatte. Sie rang ihre Hände, als sie in extrem gebrochenem Sprachenkauderwelsch versuchte mir das zu erzählen.

Ich drückte ihr die Daumen und ihre ringenden Hände, wünschte alles Gute und bat eine Bekannte, mir ein paar aufmunternde Worte auf lettisch zu schreiben. Den Zettel legte ich auf meine Tastatur. Mit einem Bonbon.
Am nächsten Tag stand unter meinen Worten ein „Danke“ auf lettisch. Ohne Bonbon.

Ich sah Nina einige Tage nicht. Immer wieder kam sie mir in den Sinn, wenn ich kurz vor Feierabend die Rollen des Putzwagens auf dem lauten Flurboden hörte.

Gestern war sie wieder da. Sie lächelte, ihre Wangen rosig, der nudefarbene Lippenstift auf dem kleinen Herzmund „Gehen nach Hause, you always work.“

Ich öffnete den Google-Übersetzer, Google Earth und wir unterhielten uns darüber, wo sie bereits in ihrem Leben gearbeitet hat – London, Niagara Falls, Florida – sie putzte, betreute, reiste ihrem Mann hinterher.
Immer wieder ringt sie ihre Hände, fasst sich an die Stirn und flüstert „Oj, oh, alte Nina, alte Nina“, wenn sie nach den richtigen Worten sucht, damit ich sie verstehen kann.

„Neues Medikament ist gut“, sagt sie und dann „Danke“, als sie lächelnd geht.